15.July – eine Fahrt durch’s „Death Valley“
Nur zwei Autos sind sind bis morgens 6.30 Uhr an uns vorbei gefahren. Wahnsinn. Hinzu kommt, dass Hauptsaison ist. Wir moechten uns gar nicht vorstellen, was gewesen waere, wenn mehr als 1 Reifen gelatzt waere. Haette man uns gefunden? Nun, wir haben genuegend Trinken und Essen fuer 5 Tage, aber im Hochsommer bei 40 Grad ist das sicherlich kein Zustand, den man sich wuenscht. Wir stehen noch vor 7 Uhr auf – ich kann es kaum erwarten, denn es ist sooo kalt. Als erstes gehen wir duschen und danach bringen wir in Erfahrung, ob die Werkstatt in Hughenden unsere Reifen hat. Natuerlich nicht. Waere ja auch zu einfach gewesen. Gegen 9.30 Uhr machen wir uns auf den Weg nach Longreach. Es warten dieses Mal 400 km geteerte Strasse auf uns. Die Landschaft hat sich geaendert: Es gibt nur vereinzelt Baeume, wenn uberhaupt. Wir sehen eine Menge Cassowaries, die wir im Regenwald nie zu Gesicht bekommen haben.
Sehr traurig ist der Strassenrand. Er ist umsaeumt mit toten Kaengurus. Alle 50-100 Meter liegt ein weiterer Kadaver. Manchmal sogar 4 innerhalb von 50 Metern. Von Baby-Wallabies bis hin zu wuchtigen Kaengurus, alles tot.
Auf 400 km sind das fast 4.000 Tiere. Mit Ausnahme von ein paar Kilometern, wo keine Tiere liegen, sind es realistisch 3.500. Es ist wirklich traurig. Dieser Anblick erinnert mich an ein Death Valley (Todestal). Ich habe in den ersten Wochen oft Traenen in den Augen gehabt, als ich tote Kaengurus sah, mittlerweile bin ich einfach nur noch traurig. Bei dieser Anzahl hier koennte ich fortlaufend heulen. Als wir gerade nach unserer Mittagspause das Fenster geoeffnet haben, lag Kadavvergeruch in der Luft. Ist es so schwer bei 100km/h zu bremsen?
Diese Frage wird mir in Longreach noch am selben Tag beantwortet: Ja. Denn sie sind einfach zu schnell. Nunja, darueber laesst sich sicher streiten. Viel trauriger ist die Tatsache, dass es seit 10 Jahren nicht mehr so viele tote Kaengurus gab. Die Duerre haelt nun fast seit 3 Jahren an. Anstatt 300mm im Jahr fallen in Longreach -wenn ueberhaupt- 100mm im Jahr. Dies hat dazu gefuehrt, dass mehr als 3/4 der Farmer ihre Rinder verkaufen und das Geschaeft aufgeben mussten. Weiterhin sind viele junge Familien weggezogen – als aussichtslos sehen sie die Situation an. Das bisschen Regen, was faellt, fuehrt dazu dass das Gras am Strassenrand waechst. Aus diesem Grund befinden sich fast alle Kaengurus am Strassenrand und suchen verzweifelt nach ein oder zwei gruenen Grashalmen. Viele sind so schwach, dass sie am Strassenrand umfallen, oder einfach ziellos ueber die Strassen huepfen und Autos gar nicht wahrzunehmen scheinen. Sehr, sehr traurig. Die Kaengurus kommen mittlerweile sogar am Abend und sogar vereinzelt am Tag in die Stadt, um Gras zu finden, und riskieren von weiteren Autos ueberfahren zu werden. Als mir die Dame die Situation erklaert, frage ich, ob denn das Wasser vom „Artestian Basin“ unterhalb der Erde, welches enorm gross ist, nicht ausreichen wuerde, um zu Bewaessern? Das grosse Problem liegt darin, dass zu viele Sulfate und andere Metalle im Wasser enthalten sind, welche das Wachstum der Pflanzen schlicht nicht foerdern. Es kann zwar nach Behandlung getrunken werden, doch wachsen tut einfach nichts.
Etwa 15 Uhr erreichen wir Longreach. Unser erster Stopp ist in der Touristeninformation, wo wir massig Material bekommen und ein sehr gut strukturiertes „Programm“- bzw. „Sightseeing“ Heft erhalten. Ausserdem fragen wir, wo wir Decken kaufen koennen und wo es einen Reifenhaendler gibt. Wir machen ein Schnaeppchen bei Target und haben endlich wieder warme Naechte! Doch eins ist noch zu klaeren: Bekommen wir hier einen passenden neuen Reifen fuer unser Auto?
ein teurer Spass
Eine nette Frau namens Julie beraet uns und leider muss auch sie gestehen: Sie haben keinen Reifen vorraetig. Mensch und das obwohl massig Pajeros unterwegs sind. Wir waegen alle Moeglichkeiten ab und letztendlich ruft sie ihren Lieferanten in Rockhampton an, um uns noch einen Reifen zu bestellen. Wenn wir grosses Glueck haben, ist der Reifen schon morgen frueh da. Wenn wir Pech haben, erst Freitag morgens. Das waere auch noch ertraeglich. 190$ wird uns der Spass kosten…na herzlichen Dank liebe Gravel Road. Julie ist echt wahnsinnig nett und reisst sich beinahe schone in Bein aus, um uns eine gute Loesung zu finden. Ausserdem hat auch sie deutsche Wurzeln und ihr Sohn lebt in Kingaroy! Na welch ein Zufall! Wir verabschieden uns uns kommen morgen frueh wieder.
zu Besuch und zum Greifen nah
Tatsaechlich ist am Abend das eingetreten, was uns bereits am Nachmittag erzaehlt wurde: Die Kaengurus sammeln sich in mehreren Gruppen, um das wenige gruene Gras in der Stadt zu verzehren. Ein wildes Kaenguru wuerde niemanden auch nur in seine Naehe kommen lassen. Diese Kaengurus jedenfalls waren so verhungert, dass sie sich auch nicht verscheuchen lassen, wenn man direkt neben ihnen steht. Sie haben einfach keine andere Wahl.