Ich hatte mir einmal vorgenommen, Optimismus an den Tag zu legen. Daher werde ich jetzt nicht darüber klagen, dass es heute von 11 Uhr bis 22 Uhr komplett durch geschüttet hat. Vielmehr hatten wir (wieder einmal) ziemlich großes Glück, dass der Himmel sich „erst“ 11 Uhr dazu entschieden hat, sich fortlaufend über uns zu ergießen.
Sete Cidades
Heute war also unser Outdoor-Trip zu den Vulkankratern Programm. 9 Uhr wurden wir von einem super netten Guide abgeholt und wir waren bei der gesamten Tour auch nur 4 Personen + Guide. Das machte den Tag ziemlich flexibel und sehr persönlich. Zu Beginn sind wir nochmals zu einer (diesmal anderen) Ananas Plantage gefahren. Santo Antonio. Hier gab es zu Beginn einen eigenen Kurzfilm, was für Ben ganz nett war. Außerdem hat die Mitarbeiterin, welche sicher schon Ende 60 war, fantastisch englisch geredet und so konnte man sie mit Fragen löchern. Auf Nachfragen, ob das mit dem Englisch hier generell früher schon gelehrt wurde, erzählte sie mir, dass sie (wie viele andere auch) Verwandte in den Staaten haben. Früher, also um 1960 herum, sind massenhaft Einheimische in die USA über gesiedelt.



Nach der Plantage haben wir zwei griechische Frauen eingesammelt, wovon eine etwas Deutsch konnte. Das fand Ben super. Gemeinsam führen wir also in Richtung Sete Citades („70 Vulkane“), welche im Westen der Insel liegen. Schon entlang der Route gab es schöne Aussichten zu genießen und vor allem KÄLTE. Boah…gestern noch am Strand bei 23 Grad und heute ist bei 11°C Frieren Programm.







Als wir am Startpunkt der kleinen Wanderung zu den großen Kratern angelangt waren, zeigte das Thermometer 10°C. Oben angekommen nur noch 6°C. Dazu kam der frostige böige Wind. Ben war anfangs nicht allzu motiviert nun den ganzen Weg nach oben zu laufen, aber nach einigen Minuten hatte er sich gefangen und wir waren ihm eindeutig zu „lahm“. Den Ausblick fand er dann doch zieeeemlich cool und hat sich gefreut, als hätte man ihm ein Vanille-Eis-Abo geschenkt.







Das Dorf, in welchem wir dann eine Kleinigkeit im Imbiss/Café gegessen haben, war ziemlich klein und irgendwie sehr karg. Die Preise waren 50% von denen in und um Ponta Delgada. Das Essen war sehr einfach und doch sehr lecker. Und dann kam der Regen. So richtig…
Der Rückweg war nett anzusehen, wenn auch wenig zu genießen, da auszusteigen keine Option mehr war. Was Luis (der Guide) aber echt toll gemacht hat, war, dass er scheinbar alle Fragen zu beantworten wusste und uns total gute Einblicke in das tägliche Leben, sowie in die Geschichte der Azoren gewähren konnte.
Das haben wir heute über die Azoren gelernt…
- Die Milchproduktion war der erste Wirtschaftszweig der Azoren und Sao Miguel war die erste Insel
- 35% der gesamten Milch Portugals (also auch Festland) stammt von den Azoren
- auf den Azoren gibt es unfassbar viele Käsespezialitäten
- der Großteil des Anbaus ist und war schon immer nahezu pestizidfrei und wahrscheinlich mehr bio als „Bio in Deutschland“
- Die schwarz-weißen Kühe sind die ertragreichsten und hiesig anpassungsfähigsten Milchkuh-Arten, weswegen 9 von 10 Kühen auf den Azoren eben diese sind
- bis 2007 gab es nazu keine Touristen und erst 2012+ ging es richtig los
- In nahezu allen Gebieten ist das Wasser aus der Leitung guter Trinkwasserqualität
- Es gibt keinerlei giftige Tiere, der einzige „Räuber“ auf der Insel ist der Falke
- Ca. 50% des Fleischkonsums produzieren die „Insulaner“ selbst, Massenhaltung existiert hier noch nicht
- Sao Miguel hat (als einzige Azoreninsel) eine eigene Universität, an welcher man mehrere Fachrichtungen studieren kann (Wirtschaft, Architektur, Ingenieurwesen und (Meeres)Biologie… )
- In Ponta Delgada (Hauptstadt der gesamten Azoren) leben super viele Studenten und temporäre residents sowie saisonale Rentner
- Sao Miguel ist die einzige Insel, auf welcher es die Ananas Plantagen gibt
- Ananas werden nur innerhalb der Azoren ausgeliefert, da es kaum Überschuss für den Export gibt
- der Ananas Anbau ist recht aufwendig und teuer, Handwerk und nicht industriell, weshalb auch preislich kein Exportgeschäft lohnt
- die Ananas sind schadstoff- und pestizidfrei
- Das Wetter in diesem Mai ist sehr untypisch und eher winterlich
- im Sommer werden es meist 26-30°C
- die Flughäfen der Azoren sind ziemlich gefährlich, da die extremen Seitenwinde tückisch sind, mal ganz zu schweigen vom Regen an 150 von 365 Tagen
Hintendran noch ein Road trip auf eigene Faust
Etwa 13.30 Uhr sind wir wieder Zuhause abgesetzt worden und fragten uns: Und was nun? Besseres Wetter war heute nicht mehr zu erwarten. Buddeln am Strand daher keine Option. Ich wollte doch aber noch sooo gerne mehr von der Insel sehen. Ben hatte einen Vorschlag: „Mama, komm wir fahren jetzt einmal bis ganz ans andere Ende da rechts!“ Da hab ich mich doch stark gewundert. Nach etwa 3h Busgefahre. Aber natürlich war das noch nicht alles: „Mama, du kannst doch fahren! Ich nehm‘ mein Tablet mit. Ich hab doch heute sowieso noch kein Tablet gehabt.“Clever ist er ja. Allerdings fand ich diese Idee attraktiv. Ich kann durch die Gegend Gondeln und er langweilt sich nicht.




Es stellte sich heraus, dass er sich auch so nicht gelangweilt hätte. Denn es boten sich wirklich sagenhafte Ausblicke an. Angefangen von nebelverhängten Seen und Bergen bis hin zu „Dampflöchern“, aus welchen die Erdwärme kochend heiß ausströmte. Als wir oben an den Klippen und, später unten am Strand, standen war es um Ben geschehen… Um mich aber auch. Australien hatte schon krasse Wellenlänge zu bieten, aber das was wir hier gesehen haben, kann man auf Fotos gar nicht festhalten.


















Allgemein muss man sagen: die Insel ist unfassbar grün, gewaltig, überall von Moos bedeckt (über 400 Arten gibt es hier) und wunderschön, dass 6 Tage schon fast knapp bemessen sind, wenn man mit Menschen und Natur in Kontakt kommen will. Das Wetter ist nicht zu unterschätzen und das gilt vor allem, wenn man Outdoor Touren plant (Mountainbiken, Quad Touren, Wandern, Whale Watching,….). Der Regen ist eben kein „Plätschern“ , sondern teilweise sehr heftig und gepaart mit Winden. Ein, zwei Tage Puffer sind also ganz praktisch.
Ich bin gespannt wie morgen sein wird.













































































































































