Veröffentlicht in Costa Rica, Gedanken-Karussell

Die letzten Tage in Portugal

In guter Gesellschaft

Der 6. und 7. Juni, waren Tage, denen Ben entgegen fieberte. Ich aber auch ein wenig ;-). Denn worauf wir uns riesig gefreut hatten, waren Freunde, welche direkt bei uns in der Straße wohnen. Wie der Zufall es so will, sind sie zur gleichen Zeit wie wir in Portugal gewesen. Zwar eine Autostunde entfernt, aber das war ja kein großes Ding. So sind wir also mit unserer Möhre nach Santa Cruz bei Silveira gefahren und hatten zwei ziemlich schöne Tage. Ben war über glücklich und hat offenbar einen neuen Freund gefunden. Ich war happy, Susanne und Flo zu sehen. Und wie sich herausstellte, waren sie mit ziemlich tollen Freunden vor Ort, die man einfach sofort mögen musste.

Am 8. Juni war unser Flug nach Costa Rica mit 1 Tag Transitstopp in Miami geplant, daher dachte ich mir: die letzte Nacht lassen wir in einem Strandhotel gleich in deren Nähe ausklingen. Doch dann kam alles anders. Ich habe nun seit 6 Tagen nichts mehr geschrieben und lange überlegt, ob ich es überhaupt tun sollte. Nun bin ich aber zu dem Schluss gekommen, dass ich es doch tue. Wer mich verurteilen will, soll es tun. Andernfalls finden sich andere vielleicht in dem Erlebnis wieder. Am 7. Juni haben wir unseren obligatorischen Coronatest gemacht, denn ohne darf man nicht in/ durch die USA reisen. Kein anderes Land verlangt derzeit irgendwelche Tests. Als wir nach dem Test zur Küste gefahren sind und Ben sich in die Badesachen geschmissen hat, kam dann die Mail mit dem Ergebnis und mich trifft der Schlag. Ben ist positiv. Ich wusste in dem Moment nicht, ob ich schreien, heulen umkippen sollte. Dass es passieren kann, war mir klar. Aber ihm war es nicht anzumerken, daher war ich vollkommen unvorbereitet. Wir teilen Essen, Bett bis hin zu den Trinkflaschen einfach alles und ich bin negativ. Lächerlich. Nachdem ich versucht habe mich zu sortieren, ging also der Stress los. Flugumbuchungen, Versicherungsanfragen,…Notunterkunft finden…einfach alles. Ben saß nun da und musste „draußen“ bleiben und zu allen Abstand halten. „Was sollen wir jetzt nur tun?“ Wer uns kennt, weiß, dass wir während der Lockdowns und danach alles sehr genau genommen haben, meist übervorsichtig waren, uns eingeigelt und immerzu getestet haben, um niemanden zu gefährden. Tja und nun stehen wir vor so vielen Fragen: Was sollen wir tun? In drei Tagen treffen wir planmäßig Marco in Costa Rica. Hätten wir keinen Test gemacht, wüssten wir nicht einmal, dass Ben nicht gesund ist. Quarantäne gibt es in Portugal nicht. Ich gebe zu, wir haben uns an diesem und den folgenden Tagen wie Schwerkriminelle und Verpestete gefühlt. Einfach weil wir wussten der Test ist positiv. Mein Gewissen hat mich fix und fertig gemacht. Uns blieben nur 2 Optionen: wir sitzen hier fest und dürfen weiterhin tun und lassen was wir wollen, weil es in Portugal einfach niemanden interessiert. Marco sitzt alleine in Costa Rica und wir warten. Super. Oder Option zwei: wir buchen für einen satten Aufpreis direkt nach Costa Rica um und hoffen nicht erwischt zu werden. Mein Herz sagt Nummer zwei. Mein Gewissen sagt: nein, das geht nicht. Es ist unfair und ich will nicht so sein, wie es so viele machen. Gesiegt hat dann aber doch das Herz. Wie oft ich in letzter Zeit von allen Seiten gehört habe: Ich teste mich doch nicht. Stell dir mal vor, ich bin dann positiv. Dann dachte ich mir: wie viele wohl in unserem Flieger, in den Restaurants, Bussen und Zügen mit Corona gesessen haben. Egal wie man es betrachtet, fair ist das alles nicht. Für den einen ist es so, als würde man wegen einer Erkältung nicht verreisen dürfen. Wer ist denn vor Corona auf die Idee gekommen wegen einer Erkältung eine Reise abzusagen? Für den anderen, vielleicht immungeschwächten Menschen, ist es ein Risiko, weil man nie weiß wie sich so eine Krankheit entwickeln kann. Vermutlich ist es einfach unmöglich eine Fairness, die für alle fair wirkt, zu schaffen. Außer man schreibt eine Testpflicht für alle Flüge vor, damit jeder die „gleichen“ Regeln befolgen muss. Diese Gedankengänge führen zu nichts. Also, als wir dann teuer umgebucht und uns zwei Tage in unserer Notunterkunft eingeigelt hatten, hatte ich am Tag des Abfluges solch Panik. Ich dachte mir: oh gott, die haben bestimmt das Testergebnis von Ben auf dem Pass vermerkt. Hatten sie natürlich nicht, aber meine Paranoia kennt keine Grenzen – vor allem nicht, wenn sich etwas falsch anfühlt.

Ein Flieger mit 350 maskenlosen Personen

Auf dem ersten Flug nach Paris, war alles wie immer: Maskenpflicht ganz selbstverständlich. Als wir dann in den Flieger nach San José geboardet sind und darauf warten, dass es los geht, habe ich mich gewundert. Keine Stewardess mit Maske, kaum ein Passagier mit Maske. Wir die Paradiesvögel? Tatsächlich gab es keine Maskenpflicht mehr….what?! Okay… Wozu mache ich mir einen Kopf über richtig und falsch, wenn nicht einmal mal mehr eine Maskenpflicht bei über 350 Menschen, alle ungetestet, besteht? Das alles ist einfach so willkürlich und non-sense….Es ist wirklich hart, diesen Gedanken zuzulassen, aber hier ist er:

 

Corona ist jetzt einfach da. Wer reist, ist allem ausgeliefert. Das betrifft all das Gute und all das „Schlechte“. Wir müssen jetzt einfach weiterleben, für Freiheit danken und auf bestehende Gesundheit hoffen. Und wenn dann doch die Krankheit eintritt, welche auch immer es sein mag, so darf man hoffen, dass der Verlauf mild ist. Ob wir uns testen (obwohl wir gesund zu sein scheinen), oder es sein lassen. Es macht einfach keinen Unterschied mehr. Zumindest ist das das, was von unserer Gesellschaft größtenteils so vermittelt wird. Die Auffassung, dass die Fälle so viel weniger akut sind als zuvor, also los geht’s zurück ins normale Leben. Das einzig Sinnvolle, was wir tun können und sollten, ist wohl dass wir bei offensichtlicher Krankheit so vernünftig sind und den Schaden für andere möglichst gering halten.

Niemand spricht über Corona

Während unserer letzten 14 Tage ist mir aufgefallen, dass niemand mehr über Corona redet. Wirklich niemand. Außer man fragt direkt nach und die Gespräche sind ziemlich unterschiedlich gewesen. Von sehr aufgeregt und enttäuscht bis hin zur Egalität. Was ich ziemlich cool finde: nahezu überall ist Desinfektion zu finden. Sowohl in Portugal als auch Costa Rica. Und vor allem: die Spender sind voll. In Costa Rica wird einem im Restaurant oder Geschäft auch sogleich Desinfektion auf die Hände gesprüht, bevor man die Speisekarte o.ä. bekommt. Hier in Costa Rica tragen auch ziemlich viele Personen überall eine Maske, die Taxifahrr, Kellner etc. Man hat das Gefühl, dass man neue Hygienestandards zum neuen Alltag gemacht hat und fertig. Ich bin gespannt wie es in den nächsten Ländern sein wird.

Uns geht es jedenfalls gut, Ben ist wohlauf und die letzten Tage haben uns – vor allem aber in mir – viel geändert. Ich bin heilfroh, dass Ben so robust ist und meine Angst -zumindest gegenüber Corona- hat sich drastisch reduziert. Ob das als gut oder schlecht zu bewerten ist, lass ich mal im Raum stehen. Wer weiß was noch kommt.

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