„Wie spät ist es?“ „9.50 Uhr.“ „Was? Und was machen wir jetzt?“ „Keine Ahnung…noch einmal baden gehen?“
Wie lange ist es her, dass ihr euch gelangweilt habt? Ich tippe mal auf…..gar nicht? Oder zumindest ist das schon sehr lange her. Das trifft zumindest auf mich/ uns zu. Langeweile ist ein Luxus, den die meisten von uns heute gar nicht haben, vielleicht nicht einmal mehr kennen. Wir jedenfalls, haben uns heute mal so richtig gelangweilt. Wir waren teilweise richtig überfordert mit unserer freien und unverplanten Zeit. Ben hatte natürlich immer eine Idee: buddeln, baden, Tablet, essen, buddeln, baden, Tablet, essen, buddeln…… und ihr wisst schon wie es weiter ging.












Als wir morgens am Strand standen, war mein verträumtes, naives Ich erschrocken darüber, dass „mein sauberer“ Abschnitt mit neuem Müll bestückt war. Es ist ein Trauerspiel. Ich konnte einfach nicht anders und habe mich wieder ans Sammeln gemacht und der Müllberg wuchs. Einfach verrückt. Ein Tropfen auf den heißen Stein, aber vielleicht auch einfach 50m mehr für die Eiablage der Meeresschildkröten.
Es dauerte nicht lang, da sind die Nachbarsjungs dazu gekommen. Auch wenn keine Kommunikation stattfindet (außer zwischen Damian und mir so halb), fanden die Kinder es doch spannend mit uns „Ausländern“ abzuhängen. Also haben wir gemeinsam Sandburgen und Vulkane gebaut, haben Wellen besiegt und so weiter. Wir Spießerbürger in Badesachen, die Tico Kinder eben in Hose, T-Shirt und Co. Die Mama hat sich später sicher gefreut….haha.
„Wie spät ist es?“ „14.30“ „Waaas? Wie kann ein Tag nur so lang sein?“ „Keine Ahnung. Aber ich sage dir, was ich jetzt mache: schlafen.“
Ich führte ein Nickerchen nach dem anderen…boah war das super.

17 Uhr haben wir beschlossen, doch noch einen Spaziergang mit Osman zu machen. In der Hoffnung Schildkröten“nester“ zu entdecken und einen Grund zu haben, nachts Ausschau zu halten. Bis auf zwei geplünderte Nester fanden wir allerdings nichts. Es ist eben Zwischensaison. Zudem fing es so richtig schön zu regnen an, weshalb der Spaziergang dann doch wieder ein schnelles Ende nahm. Der Abend war ziemlich gesprächsreich. Es war so interessant zu erfahren, wie und wo David lebt, was 1m² Land in Costa Rica kostet (haltet euch fest: 15-25$!!!), wie die Ticos über Einwanderer, Investoren und das Leben denken.
Hätten wir lieber im Tortuego Dorf die Unterkunft nehmen sollen?
Auf gar keinen Fall. Was anfangs ein echter Schock war und sich mir die Frage aufwarf: „Was habe ich mir bloß dabei gedacht, als ich diese Unterkunft gebucht habe..?“, entpuppte sich als echte Lifetime- Experience. Es gibt so viele Gründe, weshalb wir alles richtig gemacht haben. Wir sind uns einig, dass 3 volle Tage gereicht haben. Allerdings müssen wir zugeben, dass wir niemals solch einen Einblick in das echte Leben der Ticos erhalten hätten, wären wir im touristischen Tortuego Pueblo gewesen. Was wir in diesen Tagen über Land und Leute und deren Gefühle gelernt haben, ist unbezahlbar. Diese Ruhe, Abgeschiedenheit und Exklusivität war entschleunigend und einzigartig. Unsere Bootstour war so individuell und liebevoll wie keine gebuchte Gruppentour es hätte werden können. Das Gefühl des „Homestays“ und das „integriert sein“ waren zwischenmenschlich sehr wertvoll. Außerdem fiel uns auf der Rückfahrt am 4. Tag (17. Juni) auf, dass die Boote vom Tortuego Pueblo voll die Massenabfertigung waren. Ein Boot beförderte die gefühlt 100 Koffer. Und die anderen Botte waren bis auf den letzten Platz besetzt.
Es ist unmöglich diese 3 Tage jemals zu vergessen. Menschlich und naturbezogen war diese Zeit so echt und mit Gefühlen gefüllt, wie es selten der Fall ist. Dankbarkeit und ein Lächeln werden uns lange begleiten.