Veröffentlicht in Columbia

Cartagena – Playa Tranquila?!

Wie ich es immer mache, habe ich vorab bei TripAdvisor und GetYourGuide nach potenziellen Ausflügen geschaut. Ben und ich hatten uns ein Wasser-/Strandausflug und den Schlammvulkan ausgesucht. Ganz begehrt: Playa Blanca. Zugegeben, das Wasser ist wie man es sich in der Karibik eben vorstellt. Wären da nicht die riesigen Müllhaufen in der Nahe, der Benzingestank der vorbeifahrenden Boote und ein Haufen nerviger Verkäufer. Mir ist klar: Dort will ich auf gar keinen Fall hin. Tanita, unsere Vermieterin, hat eine Cousine, welche eine Reiseagentur betreibt. Also suchen wir über sie nach einem Strandausflug. Wir stoßen auf Playa Tranquila , übersetzt „ruhiger Strand“. Der ist auch auf Barú (Halbinsel vor Cartagena), aber sieht auf den Fotos viel ruhiger und idyllischer aus. Zwei Tage später wurden wir vom Minibus /Van um 6.30 abgeholt. Wir waren voller Vorfreude, wenn auch müde und obwohl ich mich gar nicht fit fühlte. Aber hey, am Strand können wir ja den ganzen Tag entspannen. ODER?

ein idyllisches Köderfoto :-)

Opfer des miesen Massentourismus

Unser Guide, der kein einziges Ort Englisch konnte, plapperte vor sich hin. Ich bat ihn noch einmal langsam zu wiederholen, aber nö. He doesn’t bother. Nun gut, ich verstand etwas wie „una tienda cerca de playa tranquila en 5 minutos“…heißt dann wohl, dass wir in 5 Minuten an einem Laden anhalten, falls noch jemand etwas für den Aufenthalt benötigt. Ben war hungrig und das kam uns recht. Wie sich heraus stellte, war der „Laden“ ein Witz. Es gab Chips, Wasser und abgepackte muffinähnliche Dinger. Der Verkäufer schien sein best buddy zu sein und dicke Freunde machen eben gute Geschäfte. Also zahlen wir gleich mal 4x so viel wie in Cartagena. Das fängt ja gut an. Als wir weiter gefahren sind, gab es einen richtigen Supermarkt, an welchem wir natürlich nicht angehalten haben.

Ich verfolge auf Google Maps, dass wir in Richtung Playa Blanca abbiegen und bin irritiert. Ich google und zoome rein und was sehe ich da? Das kann nicht wahr sein. Es gibt einen zweiten Playa Tranquila……genau neben dem Playa Blanca. Meine Laune sinkt so tief, dass der Mariannengraben dagegen ein Witz ist. Hier sind wir also. An dem Ort, an den ich auf gar keinen Fall wollte. Wir steigen aus, laufen durch das Gewimmel von Verkäufern, vorbei an Müllbergen hinter zum Wasser. Dort steigen wir in ein Boot, um 2 (!!!!!) Minuten mit dem Boot zu fahren. Playa Tranquila = Playa Blanca, so eine Verarsche ist echt grenzwertig. Man hat unseren Mitreisenden die Laune ebenfalls angesehen. Der Playa Tranquila, den ich bei google gesehen habe, war 5km weiter südlich…fernab des Trubels.

Da waren wir also und mussten bis 14.30 die Zeit „rumkriegen“. Es reihte sich eine Hütte neben die nächste. Jeder verkaufte das Gleiche, jeder hatte seine Strandliegen oder Betten davor zu stehen, welche man nutzen konnte. Also suchten wir uns eine und haben beschlossen , das Beste daraus zu machen. Ehrlich! Das war unser Plan. Aber der Tag wurde nicht besser. Ben fing an zu buddeln, eine kleine Dinoburg zu bauen. Doch alle 3 Minuten kam ein Verkäufer (oder anderer Gast), und ist -obwohl Ben offensichtlich baute – drüber getrampelt. Er hat so bitterlich geweint. Und es tat mir so leid, dass ich gleich mit geweint habe. Was stimmt mit den Leuten hier nicht? Ich baute ihm also eine Begrenzung aus Schuhen und anderen auffälligen Dingen und hoffte, dass der Nächste Augen im Kopf hat (und sie auch benutzt). Okay, das funktionierte. Eine Stunde später hat Ben sich den rechten Fuß aufgeschnitten (Müll sag ich nur…). Dann begann es zu regnen. Dann gab es Mittagessen – Lichtblick. Der Fisch war auch sehr lecker, das muss man den Köchen lassen! Ben musste mittendrin auf die Toilette, also gingen wir. Als wir zurück kamen, war unser Essen weg. Echt jetzt? Wir beschlossen, einfach baden zu gehen und irgend etwas zu genießen. Doch es stank einfach überall nach Benzin. Die Boote und Jetski fuhren ohne Pause ca. 20m vom Ufer entfernt hin und her. Sie versuchen sich zu bewerben und rufen immer wieder Preise zum Strand. Während der letzten 4 Stunden haben auch meine Nase und Ohren dicht gemacht – klasse. Die Verkäufer kommen im Minutentakt und die Masseure sind die krassesten. Da greifen die sich einfach meinen Fuß und fangen an irgendwas zu säuseln und lassen mich nicht in Ruhe. What? Hier lernt man, dass man so richtig unfreundlich sein muss, damit sie einen in Ruhe lassen. Sehr schade.

9 Uhr, vor dem Ansturm

…und unser „Guide“ spielt Karten, obwohl die Gäste auf die Rückfahrt warten

Es ist dann irgendwann 14 Uhr und wir machen die letzte Wasserrunde, bevor wir zum Treffpunkt in der Hütte gehen. Es sitzen bereits alle Mitreisenden an den Tischen und warten. Warten auf die Rückfahrt. Aber unser Guide, der ist der schärfste. Er sitzt am Tisch mit seinen buddies und spielt Karten. Auf Nachfragen, wann wir losfahren, sagt er gleich. Mehrmals. Dann beginnt es wieder zu regnen. In der Zwischenzeit rede ich mit zwei Männern, welche, wie ich erfuhr, aus Bogotá kommen. Ich fragte sie, wie sie es hier finden und deren Blicke waren einmalig. Einer von beiden erzählte mir, dass er schon nach 3 Tagen Cartagena die Schnauze voll hat und sie noch 2 Tage durch halten müssen. Außerdem ist Bogotá so viel sauberer, keine aggressiven Verkäufer und der Strand hier ist eine Verarsche. Als ich ihnen erzählte, dass wir noch 7 Tage vor uns haben, setzte er ein mitleidiges Gesicht auf. Die Jungs fragten dann auch noch einmal den Guide, ob wir dann mal starten können und dann erhob der Gnädige sich auch. Nicht, dass er uns zum Boot, oder zum Bus begleiten würde. Nein, er schickte einen Buddy, um uns zum Parkplatz zu bringen. Dieses Mal allerdings zu Fuß – im Regen. Die zwei Bogotáer haben sich uns angenommen und das fanden Ben und ich ziemlich nett. Es war nämlich so voll, dass men unseren „neuen Guide“ kaum sehen konnte. Es war echt ein Unding. Nach dem Gang durch Schlamm und Pfützen, stehen wir am Parkplatz mitten im Regen und warten. Kein Guide – kein Bus. Nach 10 Minuten, rollte der Bus dann vor. Leute, hier sind die Besucher wirklich busweise weg geschafft worden. Es war unglaublich. Wer tut sich das freiwillig an?

Ben war so fertig, dass er im Bus eingeschlafen ist. Wie er das geschafft hat, bleibt ein Rätsel. Wieso? Weil 1. der Bus extrem laut ist. 2. die Straßenverhältnisse so schlecht sind, dass man teilweise 30 cm vom Sitz abhebt und 3. die Klimaanlage aus war – bei 36 Grad.

Eine wertvolle, dennoch ätzende Erfahrung

Ich bin ja der festen Überzeugung, dass jede Erfahrung bzw. jedes Erlebnis seine Daseinsberechtigung hat. Deshalb würde es nicht zu mir passen, diesen Beitrag so stehen zu lassen.

  • ja, dieser Strand Playa Tranquila/Playa Blanca ist ein Verbrechen
  • ja, dieser Ausflug war offenkundig eine reine Lüge und Abzocke
  • ja, ich..nein wir sind traurig darüber, dass dieser Tag so gar nicht war wie vorgestellt

Doch wieso fahren so viele Menschen hier her? Wieso unterstützt man so etwas? Weshalb verdreckt man einen wirklich paradiesischen Ort so sehr? Und wird man so dermaßen über den Tisch gezogen?

Wir sind insgesamt 12 Tage in Cartagena gewesen, länger als notwendig und länger als die meisten Touristen. Wir haben mit Tanita und ein paar anderen Kolumbianern geredet und eins ist dabei klar geworden: Jeder versucht auf jede erdenkliche Weise sein Geschäft zu machen. Man kann gegen Betrug nicht vorgehen und die Leute lügen dir direkt ins Gesicht. Die Touranbieter und Tour-Durchführenden sind andere Welten. Den Anbietern wird etwas verkauft, das toll ist. Das wird dann -im besten Glauben- Touristen vermittelt und in Wahrheit landet man im Sammelbus und wird wie eine Nummer abgefertigt. Kaufe nichts, wo kein Preis dran steht, es sei denn du hast wahnsinnige Lust penetrant zu verhandeln.

Was ich total verwirrend fand, war, dass es anscheinend vielen Menschen dort am Playa Blanca/Tranquila echt gefallen hat. Mitten im unaufhörlichen Benzingestank, umgeben von Müll (schaut bloß nicht hinter die Hütten) und aufdringlichen Verkäufern, ergänzt um laute Musik aus verschiedensten Lautsprechern und aus allen Richtungen. Mittlerweile habe ich aber über das Volk gelernt, dass sie „laut“ mögen. Alles ist laut und das überall. Egal, ob am Strand, im Restaurant, oder Zuhause. Im Restaurant, versteht man sein eigenes Wort kaum, den Kellner schon gar nicht. Aber das interessiert niemanden. Nicht einmal wenn man sagt, ich verstehe sie nicht, weil die Musik zu laut ist. Es ist schon sehr interessant, wie man hier lebt.

Die Strände in Cartagena sind allesamt nicht schön. Wir haben 4 Strände bei Bocagrande, 1 Strand in Crespo und zwei Strände zwischen der walled city und Crespo inspiziert. Die Strände in Bocagrande sind eine Katastrophe. Verkäufer, Dreck, unheimlich viel Seegras, Boote und Jetski….und Menschenmassen ohne Ende. Nach der walled city, etwa auf Höhe des Ibis Hotels, sind die Strände dann leerer bis leer. Kaum bis keine Verkäufer und nur vereinzelt trifft man Einheimische. Wenn man baden gehen möchte, dann hier bis hin nach Crespo. Alle Strände sind grau, das Wasser mehr oder weniger klar. Das erklärt, warum die meisten Einheimischen, kolumbianische Touristen & co. gerne/ regelmäßig nach Barú zum Playa Blanca fahren. Sie sind Verkäufe gewohnt, das Wasser ist türkis und der Sand weiß. Für jede also ein großer Mehrwert. Schade, dass sie ihr eigenes Paradies allerdings so zerstören. Hauptsache, man kann heute Geld damit machen. Das ist alles, was zählt. En

Dieser Post ist definitiv emotional geprägt, aber ihr werdet es mir hoffentlich verzeihen.

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