Während wir in Kolumbien saßen, merkte ich, dass bei mir die Luft raus ist. Der ganz ursprüngliche Plan war, dass wir Anfang bis Mitte August bei meiner Gastfamilie in den USA sein würden. Doch da dieser Plan nicht aufging und ein anderer Zeitpunkt zu kostspielig gewesen wäre, habe ich mich für einen längeren Aufenthalt in Chile und einen früheren Rückflug nach Europa entschieden. Das war vor der Reise also der Plan. Nun saßen wir in Kolumbien und meine Gefühle gingen in alle Richtungen. Chile würde richtig cool werden, vor allem die Atacama Wüste. Noch 4 Wochen bis wir Marco wiedersehen und gemeinsam nach Marokko fliegen. Yeay. Ich würde mir wünschen, dass Ben ab und zu ein Kind zum spielen hätte. Was, wenn in Chile eine ähnliche Kultur wie in Kolumbien herrscht? Irgendwie fehlt etwas. Personen, mit denen ich täglich quatschen kann. Ich bin krank und mein Körper will sich nicht wirklich erholen. Ob es besser oder schlimmer wird? Irgendwie wäre ein „langweiliges“ Althegnenberg jetzt auch ganz schön. Ich glaube ich spüre zum ersten Mal so etwas wie Heimweh. Das letzte Mal, dass ich Heimweh hatte war August 2007. Ich bin hin und her gerissen und versuche in Gesprächen mit Ben herauszufinden, was für ihn gut wäre. Ben hat offenbar kein Heimweh und die Wüste fände er toll. Aber für ihn ist es auch okay, Chile auszulassen. Hm. Also eigentlich ist es ihm gleich. Mein Herz und Bauch sagen mir: Ich will in die USA und entweder doch 3 Wochen bei der Gastfamilie bis zum Rückflug ausharren, oder die Umbuchungsoptionen checken.
Bauch und Herz hatten Recht
Oft ist es so, was sich richtig anfühlt, gelingt auch. Zumindest war es in diesem Falle wieder so. Als ich (nach Umwegen) mit Airfrance telefoniert habe, konnten wir für nur 100€ unseren Flug auf Juli umbuchen. Welch ein Glück, zuvor hatte ich für Umbuchungen bereits 1500€ hingeblättert! Ich werte dies als ein Zeichen. Nun musste nur noch geklärt werden, ob wir noch zur Gastfamilie fliegen, oder in Miami bleiben. Die Entscheidung fiel aufgrund der ätzenden Flugverbindungen auf Miami. Ich war traurig, dass nach Tupelo zu fliegen, ein zu aufwendiger und komplizierter Plan ist. Als ich mit meinen Gasteltern telefoniere, sagten sie mir: Wir werden einen Plan schmieden. Na dann schauen wir mal, wie der aussehen wird.
Wir „genießen“ währenddessen also unsere letzten 3 Tage zwischen Pool und Essen (ich leider mittlerweile mit einer Bronchitis) und freuen uns auf den 7. Juli, der Tag an welchem wir nach Miami aufbrechen!















7. Juli – Aufbruch in die USA












Ich freue mich. Sooo sehr. Ben auch. Trotz meines nicht vorhandenen Wohlbefindens, sitze ich mit einem breiten Grinsen im Flieger. Als wir dann gelandet sind, fühle ich mich, als würde ich nach Hause kommen. Es gibt viele Grüne die USA nicht zu mögen, aber es gibt auch sehr viele sie zu mögen. Ich habe hier so unfassbar wertvolle Menschen um mich herum gehabt. Wäre ich hier nicht in der High School und bei meiner tollen Gastfamilie gewesen, würde meine Persönlichkeit sehr sicher nicht sein, die sie heute ist. Hier habe ich gelernt, dass Geben toller ist als zu nehmen. Hier habe ich gelernt, was es bedeutet eine Community zu sein und füreinander zu sorgen. Hier habe ich gelernt, dass im Leben nichts ohne Grund geschieht. Hier habe ich gelernt, dass an Chancen zu glauben, nicht an Unglück. Hier wurde mir vor gelebt, dass man gibt, ohne zu erwarten. Was meine Gastfamilie mit mir durchlebt hat und wie wahnsinnig nachsichtig, geduldig und großzügig sie gewesen sind. Ich war kein Gast, sondern wie ihre Tochter – in allen Hinsichten. Ich werde ihnen auf ewig dankbar sein. Es gibt vieles, das ich in den USA nie ganz nachvollziehen werden kann, aber das beruht wohl auf Gegenseitigkeit.
Wir holen also unseren Mietwagen, decken uns bei Walmart ein und fahren in unser Appartment. Voller Vorfreude gehen wir ins Bett, denn: übermorgen würden Bubba und Deanna landen und 4 Tage bei uns sein.