„No defined aim, no obligations. Only infinite dreams and ourselves.“
So hat es 2015 begonnen. Alles verkaufen, kündigen, 2 große Rucksäcke, ein bisschen Handgepäck und ziellos die zeitlich unbegrenzte Reise beginnen. Ich gebe zu, vor sieben Jahren war es noch ein wenig „spektakulärer“ diese Entscheidung zu treffen, wobei es heute wohl zu einem gängigen Lifestyle geworden ist.
ein Kurzabriss darüber, wie es uns ergangen ist, was hinter uns liegt und was vor uns liegt
Nachdem wir 5 Wochen in Asien unterwegs waren (Thailand, Vietnam, Singapur), landeten wir in Australien und blieben dort etwa 7 Monate. Die ersten 5 Wochen sind wir einmal die Ostküste zwischen Sydney & Cairns hoch „gedüst“ und landeten anschließend für 8 Wochen in Kingaroy (QLD), bei einer fantastischen und lustigen Gastfamilie. Angedacht war das Aushelfen bei der Hausrenovierung und Vorbereitung für den Verkauf, denn unsere Gastfamilie wollte zeitnah an die Sunshine Coast ziehen. Zusätzlich haben wir dann bei Boehringer Ingelheim auf einer Duboisa-Farm gearbeitet, was definitiv ein Knaller war. Währenddessen habe ich mit dem Farmchef und der Personalerin des Hauptquartiers Gespräche geführt, denn ich wollte gerne einen Job im Sales oder Marketing ergattern, was auch gelang. Bevor wir also letztlich in Sydney „sesshaft“ werden sollten, haben wir unseren Pajero noch voll ausgebaut und einen 5-wöchigen Roadtrip zum Daintree Regenwald und ins Outback genossen. Schließlich haben wir dann in Sydney den „typischen“ Alltag gelebt, haben viele Freundschaften geschlossen und sind so richtig eingelebt. Dieses Lebensgefühl war definitiv unvergleichlich. Das Sponsorship war im Gespräch, also grandiose Aussichten. Ende November besuchten wir wieder unsere Gastfamilie und beschlossen einen Monat Thailand und einen kurzen Weihnachtsbesuch in Deutschland abzuhalten. Aus dem Besuch wurde unerwartet die dauerhafte Rückkehr nach Deutschland.
schwanger endete unsere Reise abrupt.
Für Marco war klar: wir bleiben in Deutschland. Keine Experimente. So wichtig ist das Reisen nun auch wieder nicht. Für mich war klar: ich bin unfassbar traurig und zugleich dankbar über das Geschenk des Familienzuwachses, doch wusste nicht wohin mit mir. Was uns beiden klar war: Berlin ist keine Option mehr. Schon vor unserer Reise beschlossen wir, dass – wenn überhaupt – das Einzugsgebiet der Alpen unser Rückkehrort in Deutschland sein wird.
gefangen zwischen Familienglück, Fernweh und fremd bestimmtem Ende meines Traums und meiner „Freiheit“
Alles deutete darauf hin, dass nun das „Standard“-Leben wieder Einzug erhält. Es gab regelmäßig Phasen, in denen ich tief traurig war und das Gefühl hatte „nur noch bis zur nächsten Reise durchhalten“, bis ich mich wieder vollständig fühle. Es gab selbstverständlich auch viele Phasen, in denen ich einfach nur zufrieden war. Immerhin stellte sich heraus, dass Reisen mit unserem Sohn, Ben, sehr unkompliziert ist und zumindest den regelmäßigen „Urlaubs-Reisen“ nichts im Weg steht.
der Fall, die Erkenntnis und die Vision
Für manche waren 2019-2021 von Sorgen, Verlusten oder Vereinsamung aufgrund von Corona geprägt. Für mich hat sich herausgestellt, dass ich zwar (nach außen hin) erfolgreich und finanziell gut in meinem Job aufgehoben bin, innerlich aber begann ich mich aufzulösen. Oktober kam dann der große Knall und die darauffolgenden Monate waren geprägt von Fragen zu Lebenssinn, Lebenszielen, eigenen Werten und vor allem der Frage: Welches Leben will ich führen und wie kann mir das gelingen?
ich will: andere Menschen unterstützen eine bessere Lebensqualität aufzubauen, die Welt -im Rahmen meiner Möglichkeiten- besser machen, anderen Menschen körperlichen Schmerz nehmen und (länger) reisen können.
Mir ist klar geworden, dass es unzählige Möglichkeiten gibt, diese Ziele bzw. Wünsche zu erreichen und genau darauf konzentriere ich mich seit 2020.
The show goes on: „Langzeit-Reise 2.0“ startet im Frühsommer mit unserem Sohn Ben.
Wenn nicht jetzt, wann dann? Wann ist ein besserer Zeitpunkt unbürokratisch länger andauernde Reisen zu erleben, wenn nicht vor der Schulzeit? Seit 2 Jahren rede ich von diesem Traum und es scheint, dass Ben sich genauso darauf freut wie ich. Nun wird er eingeschult, also: Wenn nicht jetzt, wann dann?
Ich bin gespannt, ob Ben während der Reise genauso begeistert ist wie jetzt. Immerhin ist er voller Vorfreude und ich hoffe, dass seine kindliche Vorstellung einer „kleinen“ Weltreise der tatsächlichen Reise entsprechen wird oder vielleicht sogar übertrifft.
Am 24. Mai 2022 geht es also los: Portugal – Costa Rica – Kolumbien – Chile – USA – Marokko. Mitte August ist dann die Rückreise und ein neuer Abschnitt wird beginnen. Eine Mischung aus Vorfreude, Respekt und Ungewissheit macht sich breit. Doch ich denke, das ist normal.