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Cartagena – Was nehmen wir daraus mit?

Wir sind insgesamt 12 Tage in Cartagena, Kolumbien, gewesen. Gelernt haben wir vor allem eins: hier macht Geld, wer aggressiv und aufdringlich ist. Außerdem versucht man international Touristen für Cartagena zu gewinnen, indem man unrealistische Parallelwelten schafft. So suggeriert man, dass man ein attraktives Urlaubsziel ist. Wenn man allerdings merkt, wie die Tourenanbieter vorgehen, hat man schon nach dem ersten Ausflug keine Lust mehr, etwas anderes zu buchen. So ging es jedenfalls mir. Der Wettkampf um jeden Peso ist so enorm, was angesichts der Lebenslage des Großteils kein Wunder ist. Dennoch frage ich mich:Ist das ein Cartagena- „Ding“, oder einfach kolumbianisch? Das werden wir bei diesem Aufenthalt nicht ehrlich herausfinden können.

Wir haben in 3 Unterkünften genächtigt. In Crespo, sehr basic, aber ein guter Start, da Tanita eine unfassbar wertvolle Hilfe war. Dann in Bocagrande im Privatzimmer sehr wohlhabender Kolumbianer. Zum Schluss dann im Hotel Corales de India. 8 Tage lang haben wir erkundet (5 Tage hätten locker gereicht) und 4 Tage haben wir hauptsächlich im Hotel verbracht: baden, essen, schlafen, baden, essen, schlafen….ähm…ja und so weiter.

Highlights in Cartagena

  • Centennial Park mit den Faultieren & Leguanen
  • Museo de Naval
  • walled city, weil nett anzusehen und durch zu schlendern mit netten Cafés und Restaurants
  • Castle Felipé
  • leere Strände in Richtung Crespo

Lowlights in Cartagena

  • Playa Blanca/Tranquila bzw. die Tourenanbieter
  • Bocagrande Strände und Promenaden
  • Ein Taxifahrer, der uns abgezockt hat
  • überfüllte Strände mit aufdringlichen Verkäufern, v.a. Bocagrande

Transport & Auto fahren in Cartagena, Kolumbien

Auto mieten kommt hier nicht in Frage- zumindest nicht für mich. Der Verkehr ist aggressiv und die Parksituation nicht immer safe. Insbesondere, wenn man keine überwachte Garage findet. Mietwagen werden gerne aufgebrochen, oder gestohlen. Wenn man Überlandfahrten (z.B. in Richtung Barranquilla, Santa Marta, etc.) plant, kann man das mit privaten Transfers buchen. Oft sogar bei GetYourGuide oder inDriver. Außerdem, ist das Taxifahren super super günstig. Vorausgesetzt, man lässt sich nicht abzocken. Die Empfehlung unserer Vermieterin war inDriver zu nutzen. Das ist ähnlich wie Uber und sehr gängig. Es gibt keine Taximeter, jeder Preis ist reine Verhandlungssache. Da ich keine Lust auf Diskussionen mit Fahrern hatte, war mir inDriver ein Segen. Man gibt dort ebenfalls Start & Zielort ein und schlägt einen Preis vor. Entweder ein Fahrer nimmt deine Anfrage an, oder aber der/die Fahrer machen ein Gegenangebot. Ablehnen kann man immer. Innerhalb von Cartagena kommt man so ziemlich überall für 10.000 – 12.000 COP hin. Das sind dann etwa 2,50-3 Euro. Wir haben auch ein paar Mal ein offizielles gelbes Taxi genommen, was glatt und easy lief. Doch einmal wurden wir so richtig verarscht, wo ich mich auch tierisch aufgeregt habe. Am Hotel standen die weißen Turismo Taxis und ich fragte, ob 9.000 COP nach Bocagrande okay sind und es kam ein Ja. Dort angekommen, wollte er dann 15.000 COP und zeigte mir eine dämliche Preisliste. Also, nutzt inDriver! Keine Diskussionen und keine Chance, reingelegt zu werden.

Essen & Essen gehen

Essen gehen in Cartagena ist echt günstig. Wir haben ab und zu Einheimischen-Lokale aufgesucht und wurden geschmacklich nicht enttäuscht. Oft waren wir dann doch in „westlichen“ Lokalen. Man kommt mit 15€ pro Person pro Tag gut hin. Das war also, angesichts der 12 langen Tage dort, ein Pluspunkt.

An das Streetfood habe ich mich nicht heran getraut – nicht allein mit Ben im Schlepptau. Normalerweise habe ich da immer Bock drauf, aber wenn ich über dem Klo hänge, wäre das ziemlich blöd für Ben. Also keine Abenteuer hier.

Rappi und Co.

Was bei uns Lieferando ist, ist in Kolumbien Rappi. In Costa Rica ist zudem uberEats ziemlich beliebt. Jedenfalls ist das eine gute Alternative, wenn man am Abend die Straßen meiden möchte.

Lohnt sich Cartagena?

Diese Frage kann sich jeder nur selbst beantworten. Für wen es sich eignet, lässt sich ganz gut aufführen:

  • wer günstig leben & essen will
  • wer günstig am karibischen Meer sein möchte
  • wen aufdringliche Verkäufer nicht stören
  • wen Lautstärke nicht stört
  • wer Party machen will
  • wer die „westlichen“ Annehmlichkeiten auch in Kolumbien haben will (moderne Shoppingcenter, ausgewählte saubere Restaurans, exquisite Supermärkte, die ihren Preis haben)
  • wen kolumbianische Kultur weniger interessiert
  • wer gerne handelt und Diskussionen nicht scheut

Für wen es sich (meiner Empfindung nach) weniger eignet:

  • für Menschen, die Erholung suchen
  • für Kinder unter 6 Jahren, allein wegen der hygienischen Standards
  • für Personen, die Strandurlaub suchen
  • für Personen, die Karibikfeeling erwarten
  • für Personen, die autonom sein möchten (man ist stets auf Fremdfahrer angewiesen)
  • für hitzeempfindliche Personen

Würde ich nochmals nach Cartagena reisen?

Nein, zumindest nicht länger als 3 Tage mit einem Kind. Wieso? Weil es, meiner Meinung nach, zu wenig interessante und kinderfreundliche Dinge gibt. Die Burg, das Marine Museum, die Tiere im Centennial Park und vielleicht die Sightseeing Busfahrt, sind für Kids interessant. Darüber hinaus, gibt es einfach nur haufenweise Läden, keine Strände, an denen man mehrere Stunden Sandburgen bauen würde, oder seine Sachen liegen lassen möchte. Wer Hotel-und Pool-Urlaub machen möchte, bekommt in anderen Orten/ Ländern für den gleichen Preis bessere Angebote. Unser Hotel war für Kinder super eingerichtet, allerdings gab es drum herum nicht viel. Auch lag ein seltsam feuchter Geruch in den Zimmern, die Klima roch bedenklich, das Frühstück war nichts, worauf man sich freuen konnte und das Hotel ist einfach renovierungsbedürftig. Der Ausblick und die Pools waren allerdings wunderschön! Mit knapp 80€ pro Nacht jedoch nicht ganz im Verhältnis stehend (angesichts der sonst sehr günstigen Unterkünfte in Cartagena).

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Cartagena – Playa Tranquila?!

Wie ich es immer mache, habe ich vorab bei TripAdvisor und GetYourGuide nach potenziellen Ausflügen geschaut. Ben und ich hatten uns ein Wasser-/Strandausflug und den Schlammvulkan ausgesucht. Ganz begehrt: Playa Blanca. Zugegeben, das Wasser ist wie man es sich in der Karibik eben vorstellt. Wären da nicht die riesigen Müllhaufen in der Nahe, der Benzingestank der vorbeifahrenden Boote und ein Haufen nerviger Verkäufer. Mir ist klar: Dort will ich auf gar keinen Fall hin. Tanita, unsere Vermieterin, hat eine Cousine, welche eine Reiseagentur betreibt. Also suchen wir über sie nach einem Strandausflug. Wir stoßen auf Playa Tranquila , übersetzt „ruhiger Strand“. Der ist auch auf Barú (Halbinsel vor Cartagena), aber sieht auf den Fotos viel ruhiger und idyllischer aus. Zwei Tage später wurden wir vom Minibus /Van um 6.30 abgeholt. Wir waren voller Vorfreude, wenn auch müde und obwohl ich mich gar nicht fit fühlte. Aber hey, am Strand können wir ja den ganzen Tag entspannen. ODER?

ein idyllisches Köderfoto :-)

Opfer des miesen Massentourismus

Unser Guide, der kein einziges Ort Englisch konnte, plapperte vor sich hin. Ich bat ihn noch einmal langsam zu wiederholen, aber nö. He doesn’t bother. Nun gut, ich verstand etwas wie „una tienda cerca de playa tranquila en 5 minutos“…heißt dann wohl, dass wir in 5 Minuten an einem Laden anhalten, falls noch jemand etwas für den Aufenthalt benötigt. Ben war hungrig und das kam uns recht. Wie sich heraus stellte, war der „Laden“ ein Witz. Es gab Chips, Wasser und abgepackte muffinähnliche Dinger. Der Verkäufer schien sein best buddy zu sein und dicke Freunde machen eben gute Geschäfte. Also zahlen wir gleich mal 4x so viel wie in Cartagena. Das fängt ja gut an. Als wir weiter gefahren sind, gab es einen richtigen Supermarkt, an welchem wir natürlich nicht angehalten haben.

Ich verfolge auf Google Maps, dass wir in Richtung Playa Blanca abbiegen und bin irritiert. Ich google und zoome rein und was sehe ich da? Das kann nicht wahr sein. Es gibt einen zweiten Playa Tranquila……genau neben dem Playa Blanca. Meine Laune sinkt so tief, dass der Mariannengraben dagegen ein Witz ist. Hier sind wir also. An dem Ort, an den ich auf gar keinen Fall wollte. Wir steigen aus, laufen durch das Gewimmel von Verkäufern, vorbei an Müllbergen hinter zum Wasser. Dort steigen wir in ein Boot, um 2 (!!!!!) Minuten mit dem Boot zu fahren. Playa Tranquila = Playa Blanca, so eine Verarsche ist echt grenzwertig. Man hat unseren Mitreisenden die Laune ebenfalls angesehen. Der Playa Tranquila, den ich bei google gesehen habe, war 5km weiter südlich…fernab des Trubels.

Da waren wir also und mussten bis 14.30 die Zeit „rumkriegen“. Es reihte sich eine Hütte neben die nächste. Jeder verkaufte das Gleiche, jeder hatte seine Strandliegen oder Betten davor zu stehen, welche man nutzen konnte. Also suchten wir uns eine und haben beschlossen , das Beste daraus zu machen. Ehrlich! Das war unser Plan. Aber der Tag wurde nicht besser. Ben fing an zu buddeln, eine kleine Dinoburg zu bauen. Doch alle 3 Minuten kam ein Verkäufer (oder anderer Gast), und ist -obwohl Ben offensichtlich baute – drüber getrampelt. Er hat so bitterlich geweint. Und es tat mir so leid, dass ich gleich mit geweint habe. Was stimmt mit den Leuten hier nicht? Ich baute ihm also eine Begrenzung aus Schuhen und anderen auffälligen Dingen und hoffte, dass der Nächste Augen im Kopf hat (und sie auch benutzt). Okay, das funktionierte. Eine Stunde später hat Ben sich den rechten Fuß aufgeschnitten (Müll sag ich nur…). Dann begann es zu regnen. Dann gab es Mittagessen – Lichtblick. Der Fisch war auch sehr lecker, das muss man den Köchen lassen! Ben musste mittendrin auf die Toilette, also gingen wir. Als wir zurück kamen, war unser Essen weg. Echt jetzt? Wir beschlossen, einfach baden zu gehen und irgend etwas zu genießen. Doch es stank einfach überall nach Benzin. Die Boote und Jetski fuhren ohne Pause ca. 20m vom Ufer entfernt hin und her. Sie versuchen sich zu bewerben und rufen immer wieder Preise zum Strand. Während der letzten 4 Stunden haben auch meine Nase und Ohren dicht gemacht – klasse. Die Verkäufer kommen im Minutentakt und die Masseure sind die krassesten. Da greifen die sich einfach meinen Fuß und fangen an irgendwas zu säuseln und lassen mich nicht in Ruhe. What? Hier lernt man, dass man so richtig unfreundlich sein muss, damit sie einen in Ruhe lassen. Sehr schade.

9 Uhr, vor dem Ansturm

…und unser „Guide“ spielt Karten, obwohl die Gäste auf die Rückfahrt warten

Es ist dann irgendwann 14 Uhr und wir machen die letzte Wasserrunde, bevor wir zum Treffpunkt in der Hütte gehen. Es sitzen bereits alle Mitreisenden an den Tischen und warten. Warten auf die Rückfahrt. Aber unser Guide, der ist der schärfste. Er sitzt am Tisch mit seinen buddies und spielt Karten. Auf Nachfragen, wann wir losfahren, sagt er gleich. Mehrmals. Dann beginnt es wieder zu regnen. In der Zwischenzeit rede ich mit zwei Männern, welche, wie ich erfuhr, aus Bogotá kommen. Ich fragte sie, wie sie es hier finden und deren Blicke waren einmalig. Einer von beiden erzählte mir, dass er schon nach 3 Tagen Cartagena die Schnauze voll hat und sie noch 2 Tage durch halten müssen. Außerdem ist Bogotá so viel sauberer, keine aggressiven Verkäufer und der Strand hier ist eine Verarsche. Als ich ihnen erzählte, dass wir noch 7 Tage vor uns haben, setzte er ein mitleidiges Gesicht auf. Die Jungs fragten dann auch noch einmal den Guide, ob wir dann mal starten können und dann erhob der Gnädige sich auch. Nicht, dass er uns zum Boot, oder zum Bus begleiten würde. Nein, er schickte einen Buddy, um uns zum Parkplatz zu bringen. Dieses Mal allerdings zu Fuß – im Regen. Die zwei Bogotáer haben sich uns angenommen und das fanden Ben und ich ziemlich nett. Es war nämlich so voll, dass men unseren „neuen Guide“ kaum sehen konnte. Es war echt ein Unding. Nach dem Gang durch Schlamm und Pfützen, stehen wir am Parkplatz mitten im Regen und warten. Kein Guide – kein Bus. Nach 10 Minuten, rollte der Bus dann vor. Leute, hier sind die Besucher wirklich busweise weg geschafft worden. Es war unglaublich. Wer tut sich das freiwillig an?

Ben war so fertig, dass er im Bus eingeschlafen ist. Wie er das geschafft hat, bleibt ein Rätsel. Wieso? Weil 1. der Bus extrem laut ist. 2. die Straßenverhältnisse so schlecht sind, dass man teilweise 30 cm vom Sitz abhebt und 3. die Klimaanlage aus war – bei 36 Grad.

Eine wertvolle, dennoch ätzende Erfahrung

Ich bin ja der festen Überzeugung, dass jede Erfahrung bzw. jedes Erlebnis seine Daseinsberechtigung hat. Deshalb würde es nicht zu mir passen, diesen Beitrag so stehen zu lassen.

  • ja, dieser Strand Playa Tranquila/Playa Blanca ist ein Verbrechen
  • ja, dieser Ausflug war offenkundig eine reine Lüge und Abzocke
  • ja, ich..nein wir sind traurig darüber, dass dieser Tag so gar nicht war wie vorgestellt

Doch wieso fahren so viele Menschen hier her? Wieso unterstützt man so etwas? Weshalb verdreckt man einen wirklich paradiesischen Ort so sehr? Und wird man so dermaßen über den Tisch gezogen?

Wir sind insgesamt 12 Tage in Cartagena gewesen, länger als notwendig und länger als die meisten Touristen. Wir haben mit Tanita und ein paar anderen Kolumbianern geredet und eins ist dabei klar geworden: Jeder versucht auf jede erdenkliche Weise sein Geschäft zu machen. Man kann gegen Betrug nicht vorgehen und die Leute lügen dir direkt ins Gesicht. Die Touranbieter und Tour-Durchführenden sind andere Welten. Den Anbietern wird etwas verkauft, das toll ist. Das wird dann -im besten Glauben- Touristen vermittelt und in Wahrheit landet man im Sammelbus und wird wie eine Nummer abgefertigt. Kaufe nichts, wo kein Preis dran steht, es sei denn du hast wahnsinnige Lust penetrant zu verhandeln.

Was ich total verwirrend fand, war, dass es anscheinend vielen Menschen dort am Playa Blanca/Tranquila echt gefallen hat. Mitten im unaufhörlichen Benzingestank, umgeben von Müll (schaut bloß nicht hinter die Hütten) und aufdringlichen Verkäufern, ergänzt um laute Musik aus verschiedensten Lautsprechern und aus allen Richtungen. Mittlerweile habe ich aber über das Volk gelernt, dass sie „laut“ mögen. Alles ist laut und das überall. Egal, ob am Strand, im Restaurant, oder Zuhause. Im Restaurant, versteht man sein eigenes Wort kaum, den Kellner schon gar nicht. Aber das interessiert niemanden. Nicht einmal wenn man sagt, ich verstehe sie nicht, weil die Musik zu laut ist. Es ist schon sehr interessant, wie man hier lebt.

Die Strände in Cartagena sind allesamt nicht schön. Wir haben 4 Strände bei Bocagrande, 1 Strand in Crespo und zwei Strände zwischen der walled city und Crespo inspiziert. Die Strände in Bocagrande sind eine Katastrophe. Verkäufer, Dreck, unheimlich viel Seegras, Boote und Jetski….und Menschenmassen ohne Ende. Nach der walled city, etwa auf Höhe des Ibis Hotels, sind die Strände dann leerer bis leer. Kaum bis keine Verkäufer und nur vereinzelt trifft man Einheimische. Wenn man baden gehen möchte, dann hier bis hin nach Crespo. Alle Strände sind grau, das Wasser mehr oder weniger klar. Das erklärt, warum die meisten Einheimischen, kolumbianische Touristen & co. gerne/ regelmäßig nach Barú zum Playa Blanca fahren. Sie sind Verkäufe gewohnt, das Wasser ist türkis und der Sand weiß. Für jede also ein großer Mehrwert. Schade, dass sie ihr eigenes Paradies allerdings so zerstören. Hauptsache, man kann heute Geld damit machen. Das ist alles, was zählt. En

Dieser Post ist definitiv emotional geprägt, aber ihr werdet es mir hoffentlich verzeihen.

Veröffentlicht in Columbia

Cartagena – Kolumbien

Es ist der 26. Juni und wir landen in Cartagena, Kolumbien. Zur Wahl standen Bogotá oder Cartagena + Tayrona National Park. Da ich mir unsicher war, wie uns Bogotá als Großstadt gefallen würde, entschied ich mich für Cartagena. Nachdem ich mit einer anderen alleinreisenden mit Kind unterhalten habe, entschied ich mich gegen den Tayrona National Park und dessen Umgebung. Die Anreise dorthin wäre auch etwa 5h gewesen und die Unterkünfte wieder sehr rustikal. Also Planänderung, wir bleiben in Cartagena.

Die erste Unterkunft – Teil des Abenteuers

Ich habe 4 Unterkünfte gebucht, alle in einer anderen Gegend, um alle Teile etwas kennen zu lernen. Die erste Unterkunft war 3 Minuten vom Flughafan entfernt. Der Innenhof war so süß gestaltet, die Gastgeberin super nett, hilfsbereit und herzlich. Das Zimmer war sehr einfach gestaltet, die Dusche kalt, das Bad nicht sehr einladend und die Tür ließ alle potentiellen Krabbeltiere willkommen heißen. Oh man. Na gut. wieder 4 Tage Abenteuer. Der erste Gang führt zum Supermarkt, um Insektenspray und Getränke zu kaufen. Die Gegend war von Polizei extrem bewacht. Das mag einschüchternd wirken, aber zumindest war es so sicher. Laut unserer Vermieterin, war dies einer der sichersten Gegenden, da eben sehr gut bewacht. Generell gab es hier kaum bis gar keine Touristen. Das hat den Vorteil, dass es hier keine Verkäufer gibt, die dich bedrängen. Allerdings gibt es auch keine sehenswerten Orte in der Nähe.

der Einheimischenstrand

Wir laufen ca. 5 Minuten zum Strand und sind überrascht. Denn er ist echt total okay! Klar, es ist nicht ganz sauber. Doch ehrlicherweise muss ich gestehen, dass ich das auch gar nicht erst erwartet habe. Ben fand es suuuuper. Wir waren hier zwar die Attraktion schlechthin. Unsicher haben wir uns jedoch nicht gefühlt. Kleiner Spoiler vorweg: nachdem wir nun (5 Tage später) auch andere Strände gesehen haben, müssen wir feststellen, dass der Einheimischenstrand der beste war. Es gibt keine nervigen und aufdringlichen Verkäufer. Glaubt mir, das ist das Schlimmste hier in dieser Stadt…diese aufdringlichen und teilweise aggressiven Verkäufer. 

Tag 2 – Sturmflut

Nachdem wir eine SIM-Karte im Caribe Plaza organisiert haben, fahren wir nach Bocagrande. Dort ist die Hauptstation für die „Hop-On-Hop-Off“- Busse. Für uns doch eine gute Möglichkeit, einen Überblick über die Stadt zu bekommen. Ich habe mich natürlich online zwecks der Tickets informiert. Da kam Nummer 1 der kolumbianischen Masche: zur Zeit verkaufen wir keine 1-Tages-Tickets, sondern nur die 2-Tages-Tickets. Na klar… Dann nehmen wir wohl das 2-Tages-Ticket. Wie sich eine halbe Stunde heraus stellen sollte, war das nicht so unglücklich. Denn es begann zu regnen. Kein normaler Regen. Es war eine reine Sturmflut. Es regnete in den Bus, vom oberen Deck ins untere Deck. Ein Wasserfall strömte die Treppe hinunter. Es regnete aus der Klimaanlage (ich hoffe jedenfalls, dass es Regen war). Ich habe bisher noch nie solch geflutete Straßen gesehen. Wasser stand teilweise bis zu den Knien und das nach nur 1h Regen. Es machte keinen Sinn. Wir fuhren also nur die Hälfte der Tour und stiegen an einer Haltestelle aus, um nach Hause zu fahren. Morgen ist auch noch ein Tag.

Tag 3 – ein tierisch schöner Tag mit Ausblick

Mensch, zum Glück haben wir das 2-Tages-Ticket des Busses… also geht’s heute ,direkt nach dem Frühstück, mit dem Taxi zum Castelo de Felipe. Kaum dort angekommen, werden wir auch schon von Verkäufern belagert und von einem sogar verfolgt. Doch an der Kasse zum Eingang gibt es eine Absperrung und, wie immer, auch Polizisten. Da haben wir dann unsere Ruhe – juhuu. Die Burg ist ziemlich cool und hat sogar, unterirdische Gänge, die Ben besonders gut gefallen. Es ist soooooo heiß….und schwül. Ben und ich laufen förmlich aus. Der Regenschirm erweist sich als bester Begleiter.

Im Anschluss, hüpfen wir in den (dieses Mal) trockenen roten Sightseeing Bus und fahren zwei Stationen zu den Stadtmauern. Unser Ziel ist der Centennial Park, denn hier soll es nicht nur Faultiere, sondern auch Leguane ud Affen geben. Nein, die Tiere sind hier nicht heimisch (in der Stadt), jedoch wurden sie hier ausgesetzt. Es kur Vielleicht haben wir ja Glück! Anstatt den direkten Weg zu nehmen, schlendern wir durch die historische „walled city„, um mal ein Feeling für Cartagenas Geschichte zu bekommen. Es sieht sehr hübsch aus, überall gibt es Security und Polizei, sodass keiner zu aufdringlich wird. Sehr angenehm. Die Fassaden und Gebäude sind sehr authentisch, innen aber verstecken sich edle Lokale, Läden und eben alles, was sich sonst so verkaufen lässt.

Wir betreten soeben den Park, als wir auch direkt ein Faultier vor uns sehen. Wie cool ist das denn? Da die Bäume hier so „niedrig“ sind (im Vergleich zu Costa Rica), kann man die süßen Tiere richtig nah betrachten. Insgesamt haben wir in diesem recht kleinen Park sicher 6 oder 7 Leguane gesehen. 2 erwachsene Faultiere und ein Baby waren uns ebenfalls gegönnt. Was wir allerdings nicht gesehen haben, waren Affen. Entweder wurden sie schon gefangen und als Haustiere missbraucht, haben den Park verlassen, oder aber sie haben sich so richtig gut versteckt.

Nach den tierischen Freuden, machen wir uns auf den Weg zurück in die walled city und laufen in Richtung des Plaza Trinidad. Ja, die Altstadt ist wirklich ein netter Ort. Wir entdecken auch das Museo Naval de Cartagena (Museum der Seefahrtsgeschichte und Marine) und beschließen, dass wir das machen, wenn wieder ein Schlechtwettertag ist. Jetzt aber geht’s zum Bus und in Richtung Bocagrande, dorthin wo wir gestern die Busfahrt begonnen hatten. Nicht etwa, weil wir die Strecke zuende fahren wollten. Nein, nein…Ben hat sich gemerkt, dass dort ein McDonald’s ist. Und was gibt’s bei McDonald’s (außer Pommes)? Eis… Hachja.. Also, auf geht’s.

Veröffentlicht in Columbia, USA

Planänderung

Während wir in Kolumbien saßen, merkte ich, dass bei mir die Luft raus ist. Der ganz ursprüngliche Plan war, dass wir Anfang bis Mitte August bei meiner Gastfamilie in den USA sein würden. Doch da dieser Plan nicht aufging und ein anderer Zeitpunkt zu kostspielig gewesen wäre, habe ich mich für einen längeren Aufenthalt in Chile und einen früheren Rückflug nach Europa entschieden. Das war vor der Reise also der Plan. Nun saßen wir in Kolumbien und meine Gefühle gingen in alle Richtungen. Chile würde richtig cool werden, vor allem die Atacama Wüste. Noch 4 Wochen bis wir Marco wiedersehen und gemeinsam nach Marokko fliegen. Yeay. Ich würde mir wünschen, dass Ben ab und zu ein Kind zum spielen hätte. Was, wenn in Chile eine ähnliche Kultur wie in Kolumbien herrscht? Irgendwie fehlt etwas. Personen, mit denen ich täglich quatschen kann. Ich bin krank und mein Körper will sich nicht wirklich erholen. Ob es besser oder schlimmer wird? Irgendwie wäre ein „langweiliges“ Althegnenberg jetzt auch ganz schön. Ich glaube ich spüre zum ersten Mal so etwas wie Heimweh. Das letzte Mal, dass ich Heimweh hatte war August 2007. Ich bin hin und her gerissen und versuche in Gesprächen mit Ben herauszufinden, was für ihn gut wäre. Ben hat offenbar kein Heimweh und die Wüste fände er toll. Aber für ihn ist es auch okay, Chile auszulassen. Hm. Also eigentlich ist es ihm gleich. Mein Herz und Bauch sagen mir: Ich will in die USA und entweder doch 3 Wochen bei der Gastfamilie bis zum Rückflug ausharren, oder die Umbuchungsoptionen checken.

Bauch und Herz hatten Recht

Oft ist es so, was sich richtig anfühlt, gelingt auch. Zumindest war es in diesem Falle wieder so. Als ich (nach Umwegen) mit Airfrance telefoniert habe, konnten wir für nur 100€ unseren Flug auf Juli umbuchen. Welch ein Glück, zuvor hatte ich für Umbuchungen bereits 1500€ hingeblättert! Ich werte dies als ein Zeichen. Nun musste nur noch geklärt werden, ob wir noch zur Gastfamilie fliegen, oder in Miami bleiben. Die Entscheidung fiel aufgrund der ätzenden Flugverbindungen auf Miami. Ich war traurig, dass nach Tupelo zu fliegen, ein zu aufwendiger und komplizierter Plan ist. Als ich mit meinen Gasteltern telefoniere, sagten sie mir: Wir werden einen Plan schmieden. Na dann schauen wir mal, wie der aussehen wird.

Wir „genießen“ währenddessen also unsere letzten 3 Tage zwischen Pool und Essen (ich leider mittlerweile mit einer Bronchitis) und freuen uns auf den 7. Juli, der Tag an welchem wir nach Miami aufbrechen!

7. Juli – Aufbruch in die USA

Ich freue mich. Sooo sehr. Ben auch. Trotz meines nicht vorhandenen Wohlbefindens, sitze ich mit einem breiten Grinsen im Flieger. Als wir dann gelandet sind, fühle ich mich, als würde ich nach Hause kommen. Es gibt viele Grüne die USA nicht zu mögen, aber es gibt auch sehr viele sie zu mögen. Ich habe hier so unfassbar wertvolle Menschen um mich herum gehabt. Wäre ich hier nicht in der High School und bei meiner tollen Gastfamilie gewesen, würde meine Persönlichkeit sehr sicher nicht sein, die sie heute ist. Hier habe ich gelernt, dass Geben toller ist als zu nehmen. Hier habe ich gelernt, was es bedeutet eine Community zu sein und füreinander zu sorgen. Hier habe ich gelernt, dass im Leben nichts ohne Grund geschieht. Hier habe ich gelernt, dass an Chancen zu glauben, nicht an Unglück. Hier wurde mir vor gelebt, dass man gibt, ohne zu erwarten. Was meine Gastfamilie mit mir durchlebt hat und wie wahnsinnig nachsichtig, geduldig und großzügig sie gewesen sind. Ich war kein Gast, sondern wie ihre Tochter – in allen Hinsichten. Ich werde ihnen auf ewig dankbar sein. Es gibt vieles, das ich in den USA nie ganz nachvollziehen werden kann, aber das beruht wohl auf Gegenseitigkeit.

Wir holen also unseren Mietwagen, decken uns bei Walmart ein und fahren in unser Appartment. Voller Vorfreude gehen wir ins Bett, denn: übermorgen würden Bubba und Deanna landen und 4 Tage bei uns sein.