
15 Tage in Costa Rica liegen nun hinter uns und meine Gefühle sind ein einziges Durcheinander. Von „Wow“, „oh mein Gott“, „ich könnte heulen vor Glück“, „ich will nach Hause“, „eigentlich ist es doch gar nicht so anders“, „hm, das Leben hier könnte ich glaube ich nicht“ bis hin zu „das fühlt sich nicht richtig an“ war alles dabei. Doch dazu weiter unten mehr.
die Route – 200km – 15 Tage

Unsere Route würde ich beim nächsten Mal kaum abändern. Allerdings würde ich noch Nicoya (südlicher) entdecken wollen. Daher ist meine Empfehlung: für Costa Rica braucht man 3 Wochen, wenn man nicht alle 2 Tage woanders schlafen möchte und ein Mix aus Abenteuer & Entspannung sucht. Da wir (primär Ben und Ich) 3 Monate unterwegs sind, reisen wir zu jeder Zeit auf Budget. Will heißen, ich habe Unterkünfte gebucht, welche
- eine praktische Lage haben (Spielplatz in der Nähe, Supermarkt fußläufig, Flughafenanbindung per Bahn/Bus oder günstig per Taxi)
- meist direkt am Pool/ Meer oder fußläufig sind
- die Anbindung easy ist
- ein eigenes Bad haben, oder extrem gut bewertet sind, wenn geteilt
- durchschnittlich 40-60€ pro Nacht kosten
Wie viele Tage für Tortuguero?

3 Tage Minimum, besser 4.
Unterkunft, die wir hatten (für Abenteurer): https://www.airbnb.de/rooms/10575771?adults=1&guests=1&s=42&unique_share_id=52c01d06-eec6-4407-a93c-c664c95be257
Wie lange San José?

San José würden wir das nächste mal auf 1, maximal 2 Tage verkürzen. Besser noch: gleich in Alajuela bleiben!
Unterkünfte: San José: Park Inn by Radisson San Jose, Costa Rica und in Alajuela: Nancy’s House, nach Zimmer 3 oder 2 fragen. https://www.airbnb.de/rooms/31806118?adults=1&guests=1&s=42&unique_share_id=a432fe7f-2598-4a44-8255-0de1c43bbcd3
Wie lange Arenal?

Das Gebiet ist riesig, La Fortuna der wohl beliebteste Ort. Wir hatten nur 2,5 Tage und ich denke 3-4 Tage wären angemessener. Allein wegen des Regens braucht man etwas Puffer, wenn man Aktivitäten hat, die man unbedingt machen möchte. Allerdings ist auch Monteverde sehr begehrt, was Ziplining und Animal Watching angeht, man könnte es also auch gut aufsplitten. Dafür hatten wir jedoch zu wenige Tage übrig.
Unterkunft: El Secreto Hotel La Fortuna
Wie lange und wohin an der Westküste?

Wir haben an der Westküste nur ca. 18km Radius um Playa del Coco entdeckt. Unsere Unterkunft im Pacifico war fantastisch und ich würde es sofort wieder buchen. Die Poollandschaft war so gigantisch, dass es eigentlich jeden Strand überflüssig macht. Für Familien ein absoluter Hit. Auch der Whirlpool war richtig klasse. Wir haben uns zu 100% wohl gefühlt. Playa Hermosa (12 Min mit Auto) fanden wir aber schöner als den Strand vor Ort. Das nächste Mal würde ich gerne Tamarindo bzw. die Playa Grande Region erleben.
Wir haben 7 Tage an einem Ort verbracht, das war auch ideal, um einfach mal anzukommen und runter zu kommen. Hier hätte ich gerne noch 7 Tage extra gehabt, um Nicoya oder Tamarindo zu erkunden.
Unsere Unterkunft: https://www.airbnb.de/rooms/52451526?adults=1&guests=1&s=42&unique_share_id=90abbc7b-400e-4401-9b2f-784fd62cf41f
San José oder Alajuela?

Ich bin pro Alajuela. Diese Stadt ist neben San José, der Flughafen ist genau dort und die Stadt ist sehr angenehm. Kurze Wege überallhin, es fühlt sich viel sicherer an als San José. Die Lage ist perfekt, um in andere Richtungen zu fahren. Die Stadt hat schöne und saubere Spielplätze, Einkaufsmöglichkeiten, etc.
Auto fahren in Costa Rica

Bloß keine Angst vor dem Autofahren in Costa Rica. Es ist absolut gesittet, super easy und alle wichtigen Straßen sind ohne 4WD befahrbar. Wer etwas abseits unterwegs ist und nicht asphaltierte Straßen erkunden möchte, sollte sich Allrad gönnen. Denn eins hat Costa Rica überall: kleine bis 1m2 große Schlaglöcher. Auch auf Highways, das heißt, auf nicht asphaltierten Straßen wird es sportlich (wir können es aus eigener Erfahrung bestätigen). Zum Tanken muss man das Auto nicht verlassen, sondern es gibt einen Service. Das war ziemlich entspannt. Auch fanden wir, dass die Preise nahezu überall gleich waren, anders als in Europa. In La Fortuna war es genauso teuer wie in der Pampa oder an der Küste.
Costa Rica mit Kindern?

Unbedingt. Für die Kids gibt es so viel zu sehen. Es ist unvergesslich und so vielfältig: Regenwald, Bilderbuch-Vulkane, Traumstrände, Dschungelfeeling, exotische Tiere….für Ben war es ein Paradies und er war richtig traurig, als wir weiter geflogen sind.
Wie schlimm ist die Regenzeit?

Jetzt nach Abschluß der Reise können wir sagen, dass wir an 13 von 15 Tagen Regen hatten. Allerdings waren davon nur 3 Tage langanhaltender Regen. 3 Tage Niesel, an den restlichen Tagen hat es sich auf Nachmittage/ frühen Abend und Nacht verteilt – mit stundenlangen Regenpausen. Also halb so wild ;-)
Der erste Eindruck
Die ersten 3 Tage in San José waren sehr eindrucksvoll. Ich/ wir waren einerseits schockiert über die Zustände, wie die Menschen hier leben. Was für arme, verdreckte und wirklich gruselige Gegenden wir gesehen haben… Andererseits fährt man 8 Minuten mit dem Taxi/ Uber und man ist in der noblen Welt der „Reichen“, wo kein Krümel auf dem Tisch zu finden ist. Costa Rica ist bekannt und berühmt für seine Nachhaltigkeitspolitik, doch im Downtown-Viertel und in vielen, vielen anderen Vierteln auch, ist das nahezu unvorstellbar. Es scheint aussichtslos und nicht vorstellbar, dass hier künftig keine schwarzen Stinkwolken aus den Autos kriechen, bzw. die Leute vom Müll befreit sein sollen. Am Abend habe ich mich auch sehr unwohl in Downtown gefühlt.
Der zweite Eindruck
Auf dem Weg nach Tortuguero sind wir dann (im Nordwesten San Josés) auch durch andere sichere und ansehnlichere Nachbarschaften gefahren. Es war ein Wechsel von Wellblechhütten, 50m2 Steinhütten mit kleinem Vorgarten (Mittelklasse) und „Luxushäusern“ sowie ganzen Ranches. Manche Orten schienen sehr entwickelt mit sämtlichen bilingualen Schulen, kleinen Universitäten, sauberen Spielplätzen und „normale“ Restaurants. In anderen Gegenden, will man gleich die Autotüren verriegeln und auf grüne Ampeln (wenn’s welche gab) hoffen. Die entwickelten Gegenden waren meist in der Nähe von Plantagen oder eben Touristenzielen, wie z.B. Cariari. Land kostet nicht viel (25-40$ pro m2) und wer es schafft, etwas Land zu kaufen und es für einen Touristen attraktiv zu machen, ja der hat sogleich seine Tür zum besseren Leben geöffnet. Das gelingt aber eben nur den wenigsten. Unser Guide David (Tortuguero El Rustico Lodge) hat das Glück das seine Frau bei der Sozialversicherung arbeitet und er hat keinen Job. Sein Job ist es, die Hütte zu vermieten, Gastgeber zu sein und Zuhause (in Cariari) den Garten zu bewirtschaften. Ganz viele Ticos haben einfach nur Land, auf welchem sie z.B. Ananas, Kokosnüsse, Bananen, Avocados, … produzieren und dann entweder am Straßenrand verkaufen oder manchmal sogar in den Export geben. So reicht das Geld für das einfachste tägliche Leben.
Was machen die Menschen den ganzen Tag?

Diese Frage haben wir uns täglich, oft mehrmals täglich gestellt. Wir hatten den Eindruck, dass die Leute alle nur im „Vorgarten“ hinter ihren Gittern saßen, am Straßenrand (oft im Nirgendwo) mit ihren Avocados, Kokosnüssen oder anderem Obst standen und das war’s. Neben den „supermercados“ sah das so fehl am Platz aus. Geht noch jemand bei diesen Locals kaufen? Es scheint, es ist ein Kampf um den Erhalt der Traditionen, welche den Ansprüchen der (scheinbar) vorrangig amerikanischen Investoren/ Einwanderern gegenüber stehen. Wer die amerikanische Kultur kennt, weiß das das heißt. Es muss am besten alles an einem Ort sein, convenient, groß, nice, clean und die Kreditkartenakzeptanz am besten bei 100%.
Bei unseren Gesprächen mit David habe ich herausgefunden, dass Costa Rica mittlerweile ganz groß im IT Business und Tourismus ist. Darüber hinaus boomt der Immobilienmaklersektor zunehmends. Das Handwerk der Ticos gelangt also immer weiter in den Hintergrund und der westliche Lebensstil nimmt stetig zu. Da werfen sich bei uns zwei Fragen auf:
Wird Costa Rica es schaffen, Tradition, Bescheidenheit und das Glückland schlechthin zu bleiben? Oder werden sie doch dem Geld der Investoren und des vermeintlichen Reichtums zum Opfer fallen?
Wir haben nur einen Bruchteil des Landes gesehen. Aber, wenn ich sehe was da für krasse Villenlandschaften, Hotelketten entstehen, die Preise für die Touren sehe, dann frage ich mich doch: wie soll ein normaler Tico überhaupt noch finanziell überleben? Wir haben auch David und Osman gefragt, was sie darüber denken und die Antwort hat mich überrascht. Osman meinte, dass alle Investoren (das sind vor allem Amerikaner), die hier Land kaufen, Jobs bringen. Denn jede Villa braucht ja seine Gärtner…jede Unterkunft Rezeptionisten…jedes Restaurant seine Kellner und Köche,….jedes Boot seinen Kapitän und jede Unterkunft/Anlage seinen Putztrupp. Osman und David meinen, es bringt dem Land nur Gutes. Dass dadurch die Grundstückspreise und Lebenserhaltkosten extrem ansteigen werden und die Ticos, die nicht ihr Land verkaufen, vielleicht bald selbst kaum ihr Leben finanzieren könnten, daran wollen sie gar nicht denken. Unsere Gefühle sind da sehr gemischt. Vielleicht schafft es Costa Rica ja seine Ursprünglichkeit zu behalten – wir würden uns das sehr wünschen. Denn dieses Land ist so wunderschön!
Mein Gefühl zu Costa Rica
Während unseres Aufenthaltes, habe ich eine Achterbahn der Gefühle erlebt. Ein gutes Beispiel ist unser Aufenthalt in Tortuguero. Für mich ist dieser Lebensstil total unvorstellbar: kein warmes Wasser, alles offen, immerzu alles feucht, nichts ist richtig sauber, man muss mit dem Boot 90 Minuten zum Hafen und anschließend eine Stunde in die Stadt fahren. Man kann sich mit niemandem spontan zum Essen, Trinken, Filme schauen, …whatever, treffen. Die Wäsche riecht nicht frisch, es regnet immer wieder in die Hütte. Es gibt keinen „richtigen“ Fußboden. Das Leben besteht aus: Aufstehen, abhängen, Gartenarbeit, ab und zu Gäste empfangen, im Internet surfen, mit dem Kanu durch den Regenwald schippern. Tagein, Tagaus. Kein Geld, um die Welt zu bereisen und andere Orte zu sehen.
Wir sind so ein konsumorientiertes und verwöhntes Volk
Mir kam der Gedanke, dass womöglich sehr viele Menschen der Welt gerne ein Leben ohne große häusliche Verantwortung führen wollen würden. Vielleicht. Vielleicht reicht das? Da kommen wir wieder einmal zur Frage „Was ist der Sinn des Lebens?“. Ich könnte nicht, wie zuvor beschrieben, leben. Mir würden die sozialen Kontakte und ein krabbeltierfreies Haus fehlen. Das war’s dann aber auch schon. Konsum ist hier ein so untergeordnetes Thema, dass man weit fahren muss, um ein Einkaufszentrum mit all Annehmlichkeiten zu finden. Was für ein Telefon man hat- egal. Welchen Fernseher man hat – egal. Welche Kleidung man trägt – egal. Ob man ein paar Fettpölsterchen hat und eben keine Modelmaße besitzt – egal. Sogar bei „Fitness-Studio-Werbung“ sind die Männer/ Frauen auf den Plakat normal aussehend. Boah ich wünschte mir soooo sehr, dass ich diesen Teil der Welt mit nach Hause nehmen könnte. Ich bin so frustriert, was unsere Gesellschaft angeht. Man muss immer perfekt und super toll wirken, alles richtig machen (obwohl das eh aussichtslos ist). Man weiß, dass alles was man tut (oder auch nicht tut) bewertet wird. Man muss sich bewerben und perfekt in das Bild eines Berufs passen, damit Menschen der Meinung sind „er/ sie ist gut“. Als wir beim Friseur in Coco waren wurden wir wieder einmal davon überzeugt, dass Optik und Können eben nicht immer im Zusammenhang stehen. Der Friseur hat dort kein Geld sich einen fancy Salon herzurichten. Für einen Stuhl, Schere, Apparat und das nötigste reicht es. Aber das war’s. In Deutschland würde man niemals in diesen Laden gehen. So sind wir eben. Nur wer optisch was hermacht, hat eine Chance.
Es ist gut zu sehen, wie glücklich viele Menschen, ohne unseren überflüssigen, Luxus sind. Ich fühle mich wieder erneut darin bestärkt, das oft auch „einfach“ ausreicht und jeder eine Chance haben sollte, gesehen zu werden.
Costa Rica hat in mir so viele Gefühle geweckt und ich habs das Gefühl, dass ich mit diesem beeindruckenden Land noch nicht fertig bin. Ein Wiedersehen ist strengstens erwünscht :-)






























































































































































































































































































































































































































