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16. Juli – der Gorilla auf meiner Brust

Am darauffolgenden Tag war nicht allzu viel los. Ein kleiner Walmart Ausflug (Ben hat wieder zugeschlagen) , Packen, vom Strand verabschieden und Abendessen bei Denny’s. Sein neuer Dinosaurier hatte selbstverständlich auch Hunger und über Begleiter. Nur Blödsinn hatten wir im Kopf. Bubba sagte, Denny’s wäre gut. Mein Fazit: Geht so. Ben war nicht allzu happy drüber und ich fand es auch nicht doll. Ich freue mich schon wieder auf unser Essen Zuhause…yeeeha.

Nachdem es Ben ja wieder super zu gehen scheint, trifft es nun mich. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass mich meine Bronchitis wieder einholt. Oder weshalb bekomme ich so schlecht Luft. Ich decke mich bei Walmart mit schleimlösenden Mitteln ein und los geht’s. Ich glaube, ich habe seit Kolumbien wäre und schreibe 150€ nur für Medizin ausgegeben. Das schaffen wir sonst im Jahr nicht einmal. Wahnsinn.

17. Juli

Die Nacht war sehr bescheiden. Das mit der Luft ist nicht gut. Gar nicht gut. Auf dem Weg zum Flughafen wird es schlimmer und als wir einsteigen, hoffe ich, dass es irgendwie vergeht und versuche mich bei Laune zu halten.

Doch als wir in JFK umgestiegen sind, wurde es noch einmal schlimmer. Ich muss das nun etwas ernster nehmen, wie es scheint. Langsam bekomme ich Panik, doch das hilft auch nicht. Ich will bis Portugal durchhalten, genauer gesagt bis Porto. Denn wir landen in Lissabon und müssen noch mit dem Zug nach Porto hoch fahren. Das wird doch wohl zu schaffen sein.

Den Flug, auf welchem wir beide nur 2 Stunden geschlafen haben, verging irgendwie und wir landeten in Lissabon. Ich könnte heulen, so furchtbar fühlte sich mein Ringen um Luft an. Schließlich tat ich es auch und eine Frau kam, um uns zu fragen ob sie mir helfen kann. Ben tat mir so leid, der versuchte mich außerordentlich süß zu trösten und Mut zu zureden. Ich muss noch bis Porto kommen. Es stand außer Frage. Morgen geht der Flug nach Deutschland und ich will hier nicht stranden. Ich packte die Koffer um, den Rucksack leer, denn ich konnte nichts auf meinem Rücken tragen. Keine Treppen. Keine längeren Wege als 300m. Fuck. Wir ergatterten also ein Zugticket nach Porto und schliefen fast die ganze Fahrt, weil wir so fertig waren. Dort angekommen, ging es mir kurzzeitig besser. Wir fuhren mit dem Taxi ins Hotel, warfen unsere Sachen ins Zimmer, packten einen Krankenhaus-Rucksack und fuhren mit dem Taxi zum Krankenhaus. Diesmal war also ich dran. Super. Ich könnte jetzt einen ewig langen Absatz darüber schreiben, nein schimpfen, wie man dort 7 Stunden wartet (auf ein Röntgen, Covidtest und einmal Lunge abhören, Auskultieren). Oder darüber, wie man eine Infusion mit einem Medikament bekommt, mich allein dort sitzen lässt und ich wegklappe. Ja es war klasse… Hätte Ben keine Schwester mit „Zeichensprache“ geholt, wäre es glatt noch „witziger“ geworden.

Ende vom Lied: Asthma. Ob das wirklich stimmt? Zwei Sprays, ein Antihistaminikum. So richtig gut helfen tut es nicht. Zumindest aber sitzt nun kein Gorilla mehr auf meiner Brust, sondern eher ein dicker Waschbär. Also bin ich einfach nur froh, dass ich mich Zuhause ordentlich durch checken lassen kann. Genauso wie Ben.

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13. Juli – der Tag danach

Bubba und Deanna sind Heim geflogen und Ben schlief ewig. Ich habe mich darauf eingestellt, dass der heutige Tag sicher schwierig wird. Doch dann geschah etwas seltsames. Ben wacht auf und sagt: oah Mama mir geht’s ja gut! Und ich hab Hunger! WHAT? Okay……wir machen mal ganz langsam. Er hat 4 Brote gefuttert und hat im Wohnzimmer abgetanzt. Was läuft denn hier bitte für ein Film? Das kann doch keine NaCl Infusion… Wir haben bis 14 Uhr abgehangen, im Bett gelegen und nix gemacht. Später habe ich mich gewagt, mit ihm spazieren zu gehen und auch etwas Wasser zu kaufen. Dabei ging es ihm gut und es war als wäre nichts gewesen. Das ist mir unerklärlich. Der blöfft doch. Kleiner Spoiler vorweg: heute ist der 19. Juli und Ben geht es nach wie vor gut. Dennoch hielten wir die Tage eher gediegen und kurz.

14. Juli – Zeit für ein bisschen Strand

Glücklicherweise ist Miami Beach nur 6 Minuten zu Fuß entfernt. Wir packen heute also unsere Strandsachen zusammen, mieten uns Liegen und Schirm und hängen am Strand ab. Gebuddelt wird nur seniorengerecht …ja leider keine riesen Vulkane und Löcher mehr, jetzt gibt’s vorerst nur noch Sandkuchen. Immerhin müssen wir ja Kräfte einsparen. Wir genießen das lauwarme Wasser und ich habe Ben scharf im Blick für jegliche Auffälligkeiten. Wenn ich nun eins weiß: Ben ist ein guter Schauspieler, und offenbar kann er sehr gut „Unwohlsein“ tarnen. Wer möchte schon was vom Leben verpassen?

15. Juli – South Beach

Also gut, Ben geht’s nach wie vor gut. Er isst auch wieder mehr und daher fahren wir heute mit dem Miami Trolley 20 Minuten, um South Beach zu sehen. Der berühmteste Strand in Florida. Ja okay, er ist schön, aber meiner Meinung nach vieeeeeel zu voll. Wir haben keine Badesachen dabei. Egal, dann eben in Unterwäsche! Ben hat den Spaß seines Lebens und schreit unentwegt „ich bin so glücklich. yeah. Das ist so cool“. Na das hört sich doch super an. Das Drumherum von South Beach ist auch einen Stadtbummel wert. Außerdem habe ich Ben die ganze Reise über vertröstet, wenn er Spielsachen kaufen wollte. Gelockt habe ich ihn mit der USA, denn hier kann man doch so super shoppen gehen… Also stehen wir hier u.a. vor ROSS und Ben verschwindet in den Regalen. Keine Ahnung wie ich früher so gerne shoppen gehen konnte. Mittlerweile nervt mich das eher. Er wird jedenfalls fündig (klar wird er das…meine kleine Shoppingueen).

Doch Miami glänzt nicht  nur. Man sieht auch hier die Armut an allen Ecken, Drogensüchtige und Mitarbeiter in diversen Lokalen, die alles andere als gesund oder glücklich aussehen. Bei Subway hat mich geschockt, dass ein Mann, der mindestens 68 Jahre alt gewesen sein muss, mit Hörgerät, humpelnd, gekrümmt noch dort arbeitete. Er konnte ja kaum das Sandwich in der Hand halten. Vermutlich hat er keine Wahl, wenn er sich über Wasser halten muss. Keine Ahnung. Jedenfalls fand ich es sehr traurig.  Wir haben einige Personen gesehen, die nicht obdachlos aussahen, aber so krasse Erkrankungen hatten, einfach weil sie scheinbar keine Krankenversicherung haben oder keinen Ort mit staatlicher Versorgung finden können.

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Welcome to Miami

City Skyline vs. Miami Beach. Wir machen eben beides. 5 Nächte in Brickell und 5 Nächte North Beach, das ist der Plan. In zwei Tagen würden Bubba und Deanna ankommen.

8. Juli

Der heutige Tag bestand darin, am Pool abzuhängen und danach mit dem Auto Miami Beach mit dem Auto zu erkunden. Auf dem Weg dorthin, fuhren wir am Hafen vorbei und ich muss schon sagen: Wow! Ich bin kein Anhänger von Kreuzfahrten, was neben ökologischen auch andere Gründe hat. Dennoch war es ziemlich beeindruckend, diese riesigen „Wasser-Resorts“ zu sehen. Beim Fahren zu fotografieren war allerdings eine Herausforderung (bad mom). Daher nicht allzu imposante Fotos an dieser Stelle.

Als wir in South Beach ankamen, waren wir von abgefahrenen Trikes, Skatern, Lamborghinis und viel nackter Haut umgeben. Hier ist ja was los. Hier zu parken war sinnlos. Davon abgesehen, beklagt sich Ben andauernd, dass ihm zu heiß ist und dann doch wieder kalt. Wir fahren also eine Runde und machen kehrt.

Oben auf der Dachterrasse lassen wir uns von den Ausblicken berieseln und gehen heute früher ins Bett (22 Uhr ist dann doch etwas spät).

9. JuliUnd dann kam das Fieber

Mitten in der Nacht wacht Ben auf und klagt über Schmerzen und, dass ihm so kalt sei. 38 Grad. Geht noch. Doch am Morgen holten wir uns aus der Apotheke ein paar Meds, wer weiß wie sich das entwickelt. Es dauerte auch nur 3 Stunden und er glühte. Den Saft fand er furchtbar, würgte ihn jedoch herunter. Dieser Tag würde wie folgt aussehen: im Bett abhängen (gut, dass es gefühlt 3m breit war), Film schauen, Schlafen, Essen, Schlafen.  Wir ziehen das gnadenlos bis 19 Uhr durch. Dann kamen Bubba und Deanna an. Ben hielt sich wacker, doch die 39° Marke behielten wir bei. Diese Nacht schlief er dann gute 12 Stunden.

10. Juli Flamingo Garden im Kinderwagen

Das Fieber hielt sich bei etwa 38°, Ben war wieder ganz gut drauf. Also beschlossen wir, mit Medikamenten im Gepäck, etwas zu unternehmen, wobei Ben sich so wenig wie möglich bewegen muss. Im Flamingo Garden gab es Kinderwagen, beim Einkaufen ebenfalls. Ben hat sich wie ein König den ganzen Tag von Bubba umher schieben  oder tragen lassen und fand das ziemlich amüsant. Er hatte den ganzen Tag eine Menge Spaß und gegen Mittag hatte er wieder normale Körpertemperatur. Das Fieber hat sich nie wieder blicken lassen. 24 h Fieber kennen wir von Ben ziemlich gut, dass er richtig krank wird dahin gegen eher selten.

11. Juli Florida Keys

Nach einem typisch amerikanischen Frühstück  fuhren wir in Richtung Süden. Es waren eigentlich 1,5h Fahrt, doch am Ende waren wir (nach Islamorada) gute 2 Stunden unterwegs. Ich würde es ja gerne auf den Verkehr schieben, aber tatsächlich war es so, dass wir 2x bei McDonalds und 1x bei Tacobell angehalten haben …haha. Ben war hungrig ..so sagte er. Doch es schmeckte ihm einfach nicht. So gar nichts. Außer Zitronenlimo, und davon konnte es auch nicht genug geben. Sehr witzig… Hoffentlich verfolgt uns das nicht bis nach Hause :-D.

Wir verbrachten einen Großteil der Zeit in einem Park mit Strand. Das Wasser hatte allerdings eine höhere Temperatur als die Außentemperatur. Das war doch schon etwas merkwürdig. Ben entdeckte einen großen festen Sandhügel und wir fingen an zu bauen. Eine Burgmauer -dachte ich. Dann kam Deanna dazu und meinte: „Wow cool! You’re building a croc!“ What? Ein Krokodil? Ben und ich gingen ein Schritt zurück und siehe da. Es sah tatsächlich ein wenig so aus, als würde ein Krokodil auf dem Hügel sitzen. Okay dann bauen wir wohl ein Krokodil. Naja eigentlich eher Deanna, denn die hatte es voll drauf. Ben war am Ende ziemlich stolz drauf und Deanna wäre nicht Deanna, wenn sie nicht aus allem ein Photoshooting machen würde.. also mussten Bubba, und später andere Strandbesucher, eben ran an die Arbeit…haha.

Nach dem Abendessen kam dann eines von Ben’s Highlights. Wir fuhren zu Robbies Islamorada, wo man Tarpune füttern konnte. Außerdem kommen hier auch jeden Abend  Haie vorbei, oft tagsüber Seekühe. Wir hatten leider nicht das Glück diese zu sehen. Dafür war es umso lustiger, wie die Pelikane immerzu Ben beklaut haben. Einmal haben sie einen Fisch direkt aus dem Eimer gemopst und zweimal im Sturzflug aus der Hand geklaut, als er gerade die riesigen Tarpune füttern wollte. Das Gesicht hättet ihr sehen sollen. Ein war ein Bild für die Götter…Die Pelikane sind aber auch echt krass. So richtig mutig-angriffslustige und hinterlistige Vögel. Dennoch finden wir sie voll cool und haben sie oft beihnahe stundenlang in Costa Rica und Kolumbien beobachtet. Einfach weil, sie so coole Manöver starten.

Ja, Ben hat diesen Tag geliebt. Und das süßeste was er an diesem Tag gesagt hat war: „Mama, ich mag Bubba so sehr, dass ich ihn glaube ich ganz schön vermissen werde, wenn er nicht mehr da ist.“ Bubba war gerührt und ich konnte es soo gut verstehen. Denn ich habe ihn auch sehr gern! Als ich 2007 das erste Mal nach Hause flog, habe ich Rotz und Wasser geheult und wir haben täglich mehrmals telefoniert. Ich wollte unbedingt zurück. Die beiden haben mich stets umsorgt und wie ihr eigenes Kind behandelt (das tun sie auch immer noch wenn wir uns sehen, was ich etwas niedlich finde).

12. Juli – Krankenhaus statt Everglades

Mitten in der Nacht lag Ben weinend neben mir. Ich dachte zuerst es sei ein Alptraum, doch das war es nicht. Es waren Schmerzen Augenschmerzen. Mit viel Streicheln und schlief er wieder ein.

Am Morgen fragte ich ihn, ob wir zu den Krokodilen fahren wollen. Dann meinte er jaaaaaaa. Aber erst möchte ich mich noch einmal hinlegen. Hä? Das finde ich seltsam. Gut, er macht das manchmal, weil er denkt der Tag hätte 100h und endet nie. Aber er hatte schlechte Laune und wollte nicht raus rücken was los ist. Dann tat er es doch und klagte wieder über Augenschmerzen, Nackenschmerzen und er ist fertig. In Ordnung, dann gehen wir jetzt zum Arzt, ist vielleicht besser. Gesagt, getan, doch dabei blieb es nicht. Der Arzt konnte kein Labor machen, aber er kann eine Meningitis nicht ausschließen. Er empfiehlt uns, direkt ins Krankenhaus zu fahren und fragt ob er eine Ambulanz ordern solle. Ich kann mir vorstellen, dass viele Kinder das aufregend gefunden hätten aber, da Ben einen Heulkrampf bekam, als er vom Krankenhaus erfuhr, sind wir dann lieber von Bubba und Deanna chauffiert worden. Ziemlich besorgt und nervlich am Rande des Wahnsinns, fuhren wir also ins Krankenhaus und hatten großes Glück, beinahe allein in der ER zu sein. Wir bekamen gleich ein Untersuchungszimmer zugewiesen, in welchem Ben sich hinlegen und schlafen konnte. Länger als 15 Minuten wach halten war auch nicht drin. Er war nicht der Ben, den ich kenne. Die Schwestern waren grandios, der Doktor hat sich (als er dann nach 3h kam) viel und mehrmals Zeit genommen, was ich sehr beruhigend fand. Ben ging an die Infusion, gab Urin ab und ihm wurden 8 Röhrchen Blut abgenommen. Boah, ich bin ein Jammerlappen , was Nadeln und Infusionen (an meinem Körper) angeht. Ben hat das aber richtig klasse gemacht. Er hat keine Träne verloren, meinte sogar es hat kaum weh getan und eigentlich habe ich damit gerechnet, dass er weint, wenn die Schwester aus dem Zimmer geht. Er hasst es, vor anderen zu weinen. Aber er hat mich dann später nur gefragt: „Mama, wieso hat das denn nicht weh getan?“ Wow. Und dann ist er wieder eingeschlafen. Das ging etwa 8 Stunden so. Schlafen, aufwachen, untersuchen, schlafen, pinkeln, schlafen. Essensverweigerung sowieso.

Was kam bei raus? Nicht viel ehrlich gessagt. Gut ist, dass Meningitis und Mononucleose, Anämie, Nierenproblematiken und andere krasse Sachen ausgeschlossen werden konnten. Hepatitis und eine Blutkultur wurden ebenso angewiesen. Gegen 21.40 wurden wir dann entlassen und Ben hat mit Schmerzmittel 14 Stunden geschlafen.

Veröffentlicht in Columbia, USA

Planänderung

Während wir in Kolumbien saßen, merkte ich, dass bei mir die Luft raus ist. Der ganz ursprüngliche Plan war, dass wir Anfang bis Mitte August bei meiner Gastfamilie in den USA sein würden. Doch da dieser Plan nicht aufging und ein anderer Zeitpunkt zu kostspielig gewesen wäre, habe ich mich für einen längeren Aufenthalt in Chile und einen früheren Rückflug nach Europa entschieden. Das war vor der Reise also der Plan. Nun saßen wir in Kolumbien und meine Gefühle gingen in alle Richtungen. Chile würde richtig cool werden, vor allem die Atacama Wüste. Noch 4 Wochen bis wir Marco wiedersehen und gemeinsam nach Marokko fliegen. Yeay. Ich würde mir wünschen, dass Ben ab und zu ein Kind zum spielen hätte. Was, wenn in Chile eine ähnliche Kultur wie in Kolumbien herrscht? Irgendwie fehlt etwas. Personen, mit denen ich täglich quatschen kann. Ich bin krank und mein Körper will sich nicht wirklich erholen. Ob es besser oder schlimmer wird? Irgendwie wäre ein „langweiliges“ Althegnenberg jetzt auch ganz schön. Ich glaube ich spüre zum ersten Mal so etwas wie Heimweh. Das letzte Mal, dass ich Heimweh hatte war August 2007. Ich bin hin und her gerissen und versuche in Gesprächen mit Ben herauszufinden, was für ihn gut wäre. Ben hat offenbar kein Heimweh und die Wüste fände er toll. Aber für ihn ist es auch okay, Chile auszulassen. Hm. Also eigentlich ist es ihm gleich. Mein Herz und Bauch sagen mir: Ich will in die USA und entweder doch 3 Wochen bei der Gastfamilie bis zum Rückflug ausharren, oder die Umbuchungsoptionen checken.

Bauch und Herz hatten Recht

Oft ist es so, was sich richtig anfühlt, gelingt auch. Zumindest war es in diesem Falle wieder so. Als ich (nach Umwegen) mit Airfrance telefoniert habe, konnten wir für nur 100€ unseren Flug auf Juli umbuchen. Welch ein Glück, zuvor hatte ich für Umbuchungen bereits 1500€ hingeblättert! Ich werte dies als ein Zeichen. Nun musste nur noch geklärt werden, ob wir noch zur Gastfamilie fliegen, oder in Miami bleiben. Die Entscheidung fiel aufgrund der ätzenden Flugverbindungen auf Miami. Ich war traurig, dass nach Tupelo zu fliegen, ein zu aufwendiger und komplizierter Plan ist. Als ich mit meinen Gasteltern telefoniere, sagten sie mir: Wir werden einen Plan schmieden. Na dann schauen wir mal, wie der aussehen wird.

Wir „genießen“ währenddessen also unsere letzten 3 Tage zwischen Pool und Essen (ich leider mittlerweile mit einer Bronchitis) und freuen uns auf den 7. Juli, der Tag an welchem wir nach Miami aufbrechen!

7. Juli – Aufbruch in die USA

Ich freue mich. Sooo sehr. Ben auch. Trotz meines nicht vorhandenen Wohlbefindens, sitze ich mit einem breiten Grinsen im Flieger. Als wir dann gelandet sind, fühle ich mich, als würde ich nach Hause kommen. Es gibt viele Grüne die USA nicht zu mögen, aber es gibt auch sehr viele sie zu mögen. Ich habe hier so unfassbar wertvolle Menschen um mich herum gehabt. Wäre ich hier nicht in der High School und bei meiner tollen Gastfamilie gewesen, würde meine Persönlichkeit sehr sicher nicht sein, die sie heute ist. Hier habe ich gelernt, dass Geben toller ist als zu nehmen. Hier habe ich gelernt, was es bedeutet eine Community zu sein und füreinander zu sorgen. Hier habe ich gelernt, dass im Leben nichts ohne Grund geschieht. Hier habe ich gelernt, dass an Chancen zu glauben, nicht an Unglück. Hier wurde mir vor gelebt, dass man gibt, ohne zu erwarten. Was meine Gastfamilie mit mir durchlebt hat und wie wahnsinnig nachsichtig, geduldig und großzügig sie gewesen sind. Ich war kein Gast, sondern wie ihre Tochter – in allen Hinsichten. Ich werde ihnen auf ewig dankbar sein. Es gibt vieles, das ich in den USA nie ganz nachvollziehen werden kann, aber das beruht wohl auf Gegenseitigkeit.

Wir holen also unseren Mietwagen, decken uns bei Walmart ein und fahren in unser Appartment. Voller Vorfreude gehen wir ins Bett, denn: übermorgen würden Bubba und Deanna landen und 4 Tage bei uns sein.