Veröffentlicht in Costa Rica, Gedanken-Karussell

Die letzten Tage in Portugal

In guter Gesellschaft

Der 6. und 7. Juni, waren Tage, denen Ben entgegen fieberte. Ich aber auch ein wenig ;-). Denn worauf wir uns riesig gefreut hatten, waren Freunde, welche direkt bei uns in der Straße wohnen. Wie der Zufall es so will, sind sie zur gleichen Zeit wie wir in Portugal gewesen. Zwar eine Autostunde entfernt, aber das war ja kein großes Ding. So sind wir also mit unserer Möhre nach Santa Cruz bei Silveira gefahren und hatten zwei ziemlich schöne Tage. Ben war über glücklich und hat offenbar einen neuen Freund gefunden. Ich war happy, Susanne und Flo zu sehen. Und wie sich herausstellte, waren sie mit ziemlich tollen Freunden vor Ort, die man einfach sofort mögen musste.

Am 8. Juni war unser Flug nach Costa Rica mit 1 Tag Transitstopp in Miami geplant, daher dachte ich mir: die letzte Nacht lassen wir in einem Strandhotel gleich in deren Nähe ausklingen. Doch dann kam alles anders. Ich habe nun seit 6 Tagen nichts mehr geschrieben und lange überlegt, ob ich es überhaupt tun sollte. Nun bin ich aber zu dem Schluss gekommen, dass ich es doch tue. Wer mich verurteilen will, soll es tun. Andernfalls finden sich andere vielleicht in dem Erlebnis wieder. Am 7. Juni haben wir unseren obligatorischen Coronatest gemacht, denn ohne darf man nicht in/ durch die USA reisen. Kein anderes Land verlangt derzeit irgendwelche Tests. Als wir nach dem Test zur Küste gefahren sind und Ben sich in die Badesachen geschmissen hat, kam dann die Mail mit dem Ergebnis und mich trifft der Schlag. Ben ist positiv. Ich wusste in dem Moment nicht, ob ich schreien, heulen umkippen sollte. Dass es passieren kann, war mir klar. Aber ihm war es nicht anzumerken, daher war ich vollkommen unvorbereitet. Wir teilen Essen, Bett bis hin zu den Trinkflaschen einfach alles und ich bin negativ. Lächerlich. Nachdem ich versucht habe mich zu sortieren, ging also der Stress los. Flugumbuchungen, Versicherungsanfragen,…Notunterkunft finden…einfach alles. Ben saß nun da und musste „draußen“ bleiben und zu allen Abstand halten. „Was sollen wir jetzt nur tun?“ Wer uns kennt, weiß, dass wir während der Lockdowns und danach alles sehr genau genommen haben, meist übervorsichtig waren, uns eingeigelt und immerzu getestet haben, um niemanden zu gefährden. Tja und nun stehen wir vor so vielen Fragen: Was sollen wir tun? In drei Tagen treffen wir planmäßig Marco in Costa Rica. Hätten wir keinen Test gemacht, wüssten wir nicht einmal, dass Ben nicht gesund ist. Quarantäne gibt es in Portugal nicht. Ich gebe zu, wir haben uns an diesem und den folgenden Tagen wie Schwerkriminelle und Verpestete gefühlt. Einfach weil wir wussten der Test ist positiv. Mein Gewissen hat mich fix und fertig gemacht. Uns blieben nur 2 Optionen: wir sitzen hier fest und dürfen weiterhin tun und lassen was wir wollen, weil es in Portugal einfach niemanden interessiert. Marco sitzt alleine in Costa Rica und wir warten. Super. Oder Option zwei: wir buchen für einen satten Aufpreis direkt nach Costa Rica um und hoffen nicht erwischt zu werden. Mein Herz sagt Nummer zwei. Mein Gewissen sagt: nein, das geht nicht. Es ist unfair und ich will nicht so sein, wie es so viele machen. Gesiegt hat dann aber doch das Herz. Wie oft ich in letzter Zeit von allen Seiten gehört habe: Ich teste mich doch nicht. Stell dir mal vor, ich bin dann positiv. Dann dachte ich mir: wie viele wohl in unserem Flieger, in den Restaurants, Bussen und Zügen mit Corona gesessen haben. Egal wie man es betrachtet, fair ist das alles nicht. Für den einen ist es so, als würde man wegen einer Erkältung nicht verreisen dürfen. Wer ist denn vor Corona auf die Idee gekommen wegen einer Erkältung eine Reise abzusagen? Für den anderen, vielleicht immungeschwächten Menschen, ist es ein Risiko, weil man nie weiß wie sich so eine Krankheit entwickeln kann. Vermutlich ist es einfach unmöglich eine Fairness, die für alle fair wirkt, zu schaffen. Außer man schreibt eine Testpflicht für alle Flüge vor, damit jeder die „gleichen“ Regeln befolgen muss. Diese Gedankengänge führen zu nichts. Also, als wir dann teuer umgebucht und uns zwei Tage in unserer Notunterkunft eingeigelt hatten, hatte ich am Tag des Abfluges solch Panik. Ich dachte mir: oh gott, die haben bestimmt das Testergebnis von Ben auf dem Pass vermerkt. Hatten sie natürlich nicht, aber meine Paranoia kennt keine Grenzen – vor allem nicht, wenn sich etwas falsch anfühlt.

Ein Flieger mit 350 maskenlosen Personen

Auf dem ersten Flug nach Paris, war alles wie immer: Maskenpflicht ganz selbstverständlich. Als wir dann in den Flieger nach San José geboardet sind und darauf warten, dass es los geht, habe ich mich gewundert. Keine Stewardess mit Maske, kaum ein Passagier mit Maske. Wir die Paradiesvögel? Tatsächlich gab es keine Maskenpflicht mehr….what?! Okay… Wozu mache ich mir einen Kopf über richtig und falsch, wenn nicht einmal mal mehr eine Maskenpflicht bei über 350 Menschen, alle ungetestet, besteht? Das alles ist einfach so willkürlich und non-sense….Es ist wirklich hart, diesen Gedanken zuzulassen, aber hier ist er:

 

Corona ist jetzt einfach da. Wer reist, ist allem ausgeliefert. Das betrifft all das Gute und all das „Schlechte“. Wir müssen jetzt einfach weiterleben, für Freiheit danken und auf bestehende Gesundheit hoffen. Und wenn dann doch die Krankheit eintritt, welche auch immer es sein mag, so darf man hoffen, dass der Verlauf mild ist. Ob wir uns testen (obwohl wir gesund zu sein scheinen), oder es sein lassen. Es macht einfach keinen Unterschied mehr. Zumindest ist das das, was von unserer Gesellschaft größtenteils so vermittelt wird. Die Auffassung, dass die Fälle so viel weniger akut sind als zuvor, also los geht’s zurück ins normale Leben. Das einzig Sinnvolle, was wir tun können und sollten, ist wohl dass wir bei offensichtlicher Krankheit so vernünftig sind und den Schaden für andere möglichst gering halten.

Niemand spricht über Corona

Während unserer letzten 14 Tage ist mir aufgefallen, dass niemand mehr über Corona redet. Wirklich niemand. Außer man fragt direkt nach und die Gespräche sind ziemlich unterschiedlich gewesen. Von sehr aufgeregt und enttäuscht bis hin zur Egalität. Was ich ziemlich cool finde: nahezu überall ist Desinfektion zu finden. Sowohl in Portugal als auch Costa Rica. Und vor allem: die Spender sind voll. In Costa Rica wird einem im Restaurant oder Geschäft auch sogleich Desinfektion auf die Hände gesprüht, bevor man die Speisekarte o.ä. bekommt. Hier in Costa Rica tragen auch ziemlich viele Personen überall eine Maske, die Taxifahrr, Kellner etc. Man hat das Gefühl, dass man neue Hygienestandards zum neuen Alltag gemacht hat und fertig. Ich bin gespannt wie es in den nächsten Ländern sein wird.

Uns geht es jedenfalls gut, Ben ist wohlauf und die letzten Tage haben uns – vor allem aber in mir – viel geändert. Ich bin heilfroh, dass Ben so robust ist und meine Angst -zumindest gegenüber Corona- hat sich drastisch reduziert. Ob das als gut oder schlecht zu bewerten ist, lass ich mal im Raum stehen. Wer weiß was noch kommt.

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Urlaub?

Als wir hier und da von unseren Reiseplänen erzählt haben, kamen unterschiedlichste Rückmeldungen dazu. Von „Wie ihr macht das alleine!?“ bis hin zu „Wow, was für ein schöner langer Urlaub!“

Ich habe mir schon vor der Reise gedacht, dass es nicht immer „leicht“ , entspannt oder toll sein wird. Ist ja auch unrealistisch. Bei einem Urlaub von 1-2 Wochen ist jeden Tag „Urlaubsfeeling“. Meist auch in vollem Familienumfang. Jeden Tag was aufregendes erleben, Eis ohne Ende, machen was man gerade eben so mag.

Ben war die ersten 4 Tage so aufgeregt, dass alleine einschlafen keine Option war, richtig essen nicht existent und eine Flut von „Können wir das auch machen? Jetzt Mama?“ den Tag bestimmten. Ich muss sagen, ich bin erstaunt, wie er die ersten Tage gepackt hat. Mit dem ganzen aufregendem Drumherum war aber auch schnell klar: Nun geht’s an den Aufbau von Alltagsroutinen.

Er hat die Wohnung hier, die so richtig wohnlich und gemütlich ist, ganz schnell als „Zuhause“ angenommen und ich bin froh, dass es kein Hotel ist. Geschirrspüler ausräumen, Essen einkaufen, kochen, Wäsche waschen und mal den Nachmittag auf dem Sofa mit einem Film zu verbringen ist echt ein Segen.

Ben hat sich seine eigene Routine aufgebaut: Morgens den Tisch decken, im Wohnzimmer spielen und sich danach um seinen neuen Fraund „Balli“ kümmern. Außerdem wird jeden Tag der Morgenkreis gemacht, wobei ihm jeder Gegenstand als Person auf dem Stuhl neben sich recht ist. Ab und zu telefoniert er auch imaginär mit seinen Freunden. Dann muss es jeden Tag einmal den Spaziergang zum Spielplatz geben und am Abend das gemeinsame Zähneputzen mit Lesen im Anschluß. Das läuft richtig gut. Er hat auch schon verstanden, dass an „Reisetagen“ die Routinen mal nicht stattfinden. Meckern und Diskussionen gibt’s wie Zuhause auch, das Leben ist ja kein 24h-Konfettiregen. Die Momente, an denen er sich mordsmäßig erfreut sind so schön, dass der Rest schon wieder Geschichte ist.

Ich habe mich schon oft gefragt, wie das so bei Langzeitreisenden ist. Drei Monate sind ja noch überschaubar, aber Jahre… Ich bin gespannt, wie ich das in ein paar Wochen empfinden werde, aber Stand heute würde ich sagen: Ich kann mir nicht vorstellen, dass das für Ben ein Segen wäre, an keinem Ort länger als ein paar Wochen zu bleiben.

Wie anstrengend ist es allein mit Kind zu reisen?

Vermutlich beantwortet jeder diese Frage etwas anders. Aus meiner (noch am Anfang stehenden) Perspektive: Die größte Herausforderung ist es wohl, beständige Alltagsroutinen beizubehalten, welche an jedem Ort funktionieren. Außerdem habe ich das Gefühl, dass meine Antennen für Ben’s seelischem Wohlbefinden auf Höchstleistung laufen. Wie Zuhause „streiten“ geht kaum, denn er hat eben nicht „sein“ Zimmer als Rückzugsoase und weiß, dass er hier von mir abhängig ist. Dinge auf die ich keine Lust habe (zum Beispiel 2h am Spielplatz das gleiche Ballspiele spielen) kann ich nicht ausweichen, denn mit wem soll er sonst spielen? Seine Freunde sind ja nicht greifbar. Freunde, Mama und einen Teil Papa abzubilden ist also eine echte Herausforderung. Zeit für mich gibt es ab und zu am Abend, aber das war ja keine Überraschung und ist in Ordnung ;-).

Es ist kein Spaziergang und nicht jede Stunde Sonnenschein, aber ein tolles gemeinsames Erlebnis mit vielen Entdeckungen, Kompromissen, leuchtenden Kinderaugen und Verbundenheit.

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Porto Tag 1 – 25.Mai

Die Nacht war laut, unruhig (naja für mich, Ben lag im Koma) und ich muss gestehen, so mitten in der city und schlecht isolierte Fenster sind nicht mein Favorite.

Der Morgen war ziemlich chillig, Ben hat ziemlich lange gelegen, dann Hörbücher gehört, etwas gespielt und im Anschluss sind wir in ein echt süßes Café zum Frühstücken gelaufen. Generell ist das meiste von unserer Unterkunft fußläufig oder perfekt via Metro oder Bus angeschlossen.

Das 100 Culpa, offenbarte sich als veggie/ vegan Mix und zu Ben’s Leid gab es eben keine „normale“ heiße Milch, sondern nur Hafermilch. Cool fand ich, dass wir umgeben von Orangen – und Zitronenbäumen saßen. Und die Zitronen waren unreal…einfach riesig.

Lord Ben ja war so gar nicht vom Granola begeistert. Aber umso mehr für mich… Haha.

Auf dem Programm für heute steht (Ben’s Aufzählung):

  • Das Museum mit den Tieren
  • Eis essen
  • Strand

Ja gut … bis auf den Strand klingt das voll machbar. Also sind wir mit dem Bus vom 100 Culpa zur City gefahren und den „Hügel“ zum Hafen hinter gerutscht…äh gelaufen.

Ganz wichtig: Das Baustellenklo in der Luft MUSS unbedingt fotografiert werden… (Ben war sehr stolz auf seine Entdeckung).

Das Museum of Discoveries war in der Tat ziemlich cool. Touristen gab es vielleicht eine handvoll, zuhauf gab es allerdings Schulklassen. Ich verstehe auch warum: Die Mitarbeiter bieten richtige „Shows“ und vermitteln die Seefahrtengeschichte so toll. Außerdem gab es super viele interaktive Terminals (auch in Deutsch), sodass man ziemlich gut erkunden und erfahren kann. Das Museum an sich ist echt nicht groß…ich glaube es waren nur 3 oder 4 Räume.

Sau cool war die Wasserfahrt am Ende. Die ging etwa 20 Minuten (auch in Deutsch verfügbar) und führt einen durch die große Entdeckerroute von Heinrich, einem der größten Seefahrer Portugals. Es hat mich an das Gondwanaland und an den Europa-Park (Batavia) erinnert. In Indien gab es sogar die orientalischen Duftnoten zu riechen.

Bis auf den massiven „Kinder-Lautstärke-Overload“ war es ziemlich cool und definitiv ein Familientipp. Und das natürlich nicht fehlen darf….der Gang durch den Souvenirshop. Was werde ich bloß tun, wenn es die „Denk dran, du willst in anderen Ländern auch noch was mitnehmen und das Gepäck ist begrenzt“ – Ausrede nicht mehr gibt???

Ein Blick auf die Uhr: whaaaat…erst 13 Uhr? Vollkommen planlos und müde begeben wir uns also wieder zurück in Richtung Altstadt und genießen für 7,50€ (!!!) 3 Kugeln Eis. Ohja …die waren so richtig lecker … Was man nicht alles für ein leidvolles Kind tut :-) . Gut kommt dann noch, wenn der Sohnemann raushaut: „Die Vanille ist lecker, aber das Vanilleeis von Martin ist einfach noch viel besser!“

Ich sag’s euch…der Tag wollte nie enden. Was noch ein Highlight war: der Sänger vor dem Harry Potter Book Store (Lello Books). Ich glaube Ben Irgendwie wussten wir beide nicht viel mit uns anzufangen. So richtig angekommen in unserer Reise sind wir noch nicht. Aber das wird schon noch :-)

Veröffentlicht in Gedanken-Karussell, Portugal

Gefühle: 1 Tag vor Abflug

Einen Tag vor so einer Reise meldet sich dann doch mal der Körper. Nicht nur bei mir. Ben und ich sind beide aufgeregt, Ben klagt über Bauchweh und ich bin ständig hippelig.
Die letzten Tage ist einfach unfassbar viel geschehen. Ein großes Sportfest mit vielen Eindrücken, der letzte Kindergartentag mit Verabschiedung und das Packen für die große Reise. Beim Packen seines Spielkoffers fand ich die Aussage „Ich weiß einfach nicht was ich einpacken soll“ doch schon sehr interessant und alarmierend zugleich. Einerseits erspart uns das ein Haufen Diskussionen und Tränen darüber, was hier bleiben muss. Andererseits frage ich mich, ob ich nun die richtigen Dinge eingepackt habe und er nichts vermisst.

Der letzte gemeinsame Abend Zuhause war einziges Hin und Her. Es mussten alle Spielsachen bespielt werden, denn er würde sie ja bald vermissen. Das fing mit Tischsoccer an, ging weiter mit Airhockey, Lego, Ausmalen bis hin zu diversen Ballspielen und zu guter Letzt der letzte Sprung in Nachbar´s Pool.

Wir sind gespannt.

Veröffentlicht in Australia, Gedanken-Karussell

Weshalb sind wir hier?

Waehrend unserer bisherigen Reise haben wir so viele Charaktere kennengelernt. Einige von ihnen waren nur auf „laengeren Urlaub“ aus, Andere auf Selbstfindungstrips, Einige studieren hier, suchen Praktika und Andere sehnen sich danach hier ein neues Leben zu beginnen.

Weshalb sind wir hier? Was mache ich hier?

Ich frage mich manchmal, ob sich „die Anderen“ auch diese Frage stellen? Wenn ja, ist das ein eher gutes oder eher schlechtes Zeichen des Selbstzweifels? Wenn nein, ist das falsch oder besser so?

Als wir die ersten gedanklichen Durchlaeufe zu unserem Vorhaben erlebten, planten wir zuerst nur ein halbes Jahr in Australien Geld zu verdienen und ein wenig das Englisch aufzupeppen. Ein paar Wochen spaeter haben wir entschieden, dass wir alles verkaufen und versuchen werden „auszuwandern“. Ob es Australien wird, oder dieses Land nur eine Zwischenstation sein wuerde, das wussten wir nicht. Fakt ist, wir hatten nichts zu verlieren und wollten einen neuen Lebensweg ausprobieren. Wenn nicht jetzt, wann dann?

Gluecksmomente, Freiheit und keine Huerden

Tatsaechlich verlief bisher alles nach „Plan“ (insofern wir ueberhaupt einen hatten) und das Glueck ist stets an unserer Seite. Wir haben wunderbare Menschen kennengelernt, eine Art Familie gewonnen, einen gut bezahlten Job gehabt, sind sehr sehr viel umhergereist…es schnuppert alles nach Freiheit. Irgendwie ist es so viel einfacher als in Deutschland. Ende Juni bekomme ich sogar ein Jobangebot fuer Boehringer in Sydney, im Head Office. Den gesamten Juli sind wir in den Norden und durch’s Outback gereist…es war wunderschoen.

verloren in Sydney

Wir haben unser bisher verdientes Geld fast vollstaendig aufgebraucht (3.000km Fahrt, Attraktionen, Essen, neuer Reifen,…) und kommen ziemlich entspannt am 28. Juli in Sydney an. Wir haben keine Lust auf eine Grossstadt, wir wissen noch nicht wie viele Stunden ich ueberhaupt bei Beohringer arbeiten kann, wir wissen nicht ob Marco einen Job bekommt, wir haben noch keine feste Unterkunft und wir haben wenig Geld, denn das deutsche Konto wollen wir nicht anruehren. Mir gehen all diese Tatsachen durch den Kopf – und Marco auch – und es ist das erste Mal, dass wir unter enormen Druck stehen. Bisher haben wir auf Online-Bewerbungen, welche Marco schon vor Tagen sendete, keine Antworten oder nur Absagen bekommen. Das ist sehr ernuechternd. Ich fuehle mich fuer ihn verantwortlich, immerhin war ich der Ausloeser fuer unsere „Auswanderung“. Der in mir steigende Druck, die nervige Angelegenheit in einer Grossstast im Auto zu schlafen, um Geld zu sparen, die Ungewissheit und einfach alles kommen zusammen. Jegliche Anlaeufe zwecks Housesitting, Couchsurfing und co. gehen ins Leere. Ich habe extrem schlechte Laune, Selbstzweifel, zu wenig Raum und bin ueberfordert. Allein auf eine SMS zu antworten ueberfordert mich. Eine Minute habe ich gute Laune und schaue mit Marco nach Jobs, die naechste Minute bin ich nicht ansprechbar und kann die Worte „Geld“, „Job“ nicht mehr hoeren. Ich fuehle mich fehl am Platz.
Das war der erste Moment, in dem ich mich gefragt habe: Wieso sind wir hier? Ist das alles ein Fehler?

Mir war klar: Zusammenreissen und systematisch alle Probleme loesen und einfach loslegen…doch ich konnte nicht. Was ich brauchte ist ein fester Ort…mit Tisch, mit eigenem Bad, mit Schraenken…mir war egal was es kostet. Ich habe es satt auf „kostenlose Ubernachtungen“ wie Couchsurfing oder Housesitting zu warten bzw. darauf angewiesen zu sein. Die Tatsache, dass man Angst hat keinen Job zu bekommen und umsonst hier ist, oder Marco nichts findet und resignieren koennte, war bedraengend. Doch irgendwo musste neue Kraft ud Motivation her. Also haben Marco und ich am 30. Juli beschlossen uns in eine Art Hotel/ Hostel einzubuchen. Eine Woche in netter Behausung wartete auf uns.

was Freiraum und eine Basis wert ist

Es ist erstaunlich was der Geist mit uns veranstaltet. Keine 15 Minuten nachdem wir eingecheckt haben, ging es mir soo gut. Meine Energie war zurueck und das nur, weil es eine Basis gibt. Dieses Gefuehl, einen Schreibtisch zu haben, sich ausbreiten zu koennen … es faellt mir einfach schwer „vernuenftig“ arbeiten zu koennen, wenn ich keinen ordentlichen Platz hierfuer habe. Den habe ich nun. Wie einen einfache Dinge innerhalb von Minuten den gesamten „Glueckszustand“ veraendern koennen.

Hochphasen, Tiefphasen, Ernuechterung, Hoffnung…

Wir fuhren motiviert zu einer deutschen Baeckerei, welche uns empfohlen wurde und hoffen, dass Marco einen Job bekommt. Als wir dort ankamen, ziehen allerdings wieder Wolken auf, denn es wurde vor zwei Tagen jemand Neues eingestellt. Wir waren zu spaet. Marcos Euphorie loest sich in Luft auf. Wir gehen zu einer anderen empfohlenen Filiale, doch die Filialleiterin ist nicht mehr da. Super, wir sind durch die ganze City gefahren, haben knapp 6 Euro fuer’s Parken ausgegeben und es hat nichts gebracht. Wir beschliessen naechsten Morgen wiederzukommen.
Am 31. Juli stehen wir 10.30 Uhr auf der Matte und die Leiterin Mel ist da. Sie teilt uns mit, sie haette erst Montag jemand Neues eingestellt. Ernsthaft? Sie ruft in einer anderen Filiale an doch diese ist ausgeschoepft. Marco und ich sind enttaeuscht. Mel ueberlegt etwas laenger und ueberlegt Marco woanders unterzubringen, oder eine andere Position in ihrer Filiale zu schaffen. Sie wuerde sich am Montag melden. Bis dahin heisst es warten…

Ich frage mich: Was ist, wenn Marco keinen Job bekommt und ich eventuell nur wenige Tage? Reicht das Geld? Will ich denn Vollzeit bei Boehringer arbeiten? Was wollen wir ueberhaupt? Nach einer ganzen Weile sage ich zu Marco, dass wir uns daran erinnern muessen, weshalb wir hier sind. Wir sind hergekommen, um Neues auszuprobieren; um herauszufinden, wie man ohne Planung und mit wenig Geld leben kann. Wir wollen uns jeden Tag neu ueberraschen lassen. Dass es auch mal weniger sichere und weniger angenehme Tage geben wuerde, war zu erwarte. Kein Grund an allem zu zweifeln.

Bisher hatte sich bei uns alles unerwartet ergeben – und es war immer besser als erwartet. Wir muessen nur daran glauben, dass es diesmal auch so sein wird. Um fuer alles gewappnet und flexibel einsetzbar zu sein, entscheiden wir uns dafuer, eine akkreditierte Baristaausbildung zu machen und zwar gleich uebermorgen! Weiterhin halten wir uns den Plan einer White Card (fuer Arbeiten auf Baustellen) und einer Blue Card (Verkehrs Controller) fuer Marco offen, um auch dort Wissen zu erlangen. Niemals haetten wir das in Deutschland getan.

2. Juli – und wieder hat sich das Glueck gefuegt

Wir haben heute von 10 – 16.30 Uhr ein sehr intensives Barista Training absolviert und so viel Motivation und Energie wie lange nicht mehr. Was auch immer mit dem Baeckerjob oder mit Boehringer passieren wuerde, wir haben einen Backup-Plan und das fuehlt sich gut an. Beladen mit massig neuem Wissen fahren wir „nach Hause“ und fantasieren ueber Kaffee-Jobs. Und dann kam wieder der Schicksals-Zug angefahren: Das Handy klingelt eine Stunde spaeter und guess what? Marco hat morgen ein Probearbeiten in der Baeckerei! Drueckt ihm die Daumen.

Haben wir uns vorgestellt in Sydney zu landen? Moeglicherweise in einer deutschen Baeckerei in Australien zu arbeiten? Eine Barista Ausbildung zu machen? Weiss Gott nicht! Doch genau das ist ja das Spannende…es kommt immer anders als erwartet. Doch was letztendlich zaehlt ist doch nur eins: Es funktioniert, es bezahlt, es ist eine neue Erfahrung, es oeffnet neue Tueren und am Ende waren fast alle Selbstzweifel umsonst.

Hoert nicht auf Zweifel

Egal wie viele von Euch diesen Schritt gewagt haben, Deutschland zu verlassen, und das Gefuehl haben zu scheitern: Ruft euch ins Gedaechnis wieso ihr hier her gekommen seid. Wir vergessen es manchmal und fallen in „deutsche Muster“ zurueck, welche nicht hier her passen. Einige in Deutschland werden sich fragen: „Wie jetzt? Und deshalb sind die nach Australien gegangen? Um Kaffee zu machen?“ Was auch immer wer denkt, no worries! Alles was gluecklich macht und neue Tueren oeffnen, ist perfekt. Es gibt so vieles, was man machen kann, wenn man es will und sich vor allem bewusst macht, wie viel es tatsaechlich gibt! Wer sagt denn eigentlich, dass ihr Manager sein muesst, um gut leben oder gluecklich zu sein? Ich finde man beschaeftigt sich viel zu oft damit, Anderen zu imponieren. Das ist Verschwendung, da es kurzlebig ist.

Auch wenn wir zurueck gehen sollten: Wir haben neue Skills, Boehringer koennte sogar ein Sprungbrett in Deutschland sein. Wer weiss?

Und was habt ihr hier Neues ausprobiert? Hoechstwahrscheinlich ist Einiges davon ein grosses Asset, falls/ wenn ihr zurueck nach Europa geht! 

Veröffentlicht in 1001 Places, Australia, Gedanken-Karussell

Begegnungen, die (m)ein Leben aendern

–English version below.–


 

ein Rueckblick auf 2006

14. September 2006. Der Wecker klingelt: 6:40 Uhr und es war mein 17. Geburtstag. Doch es war nicht einfach nur ein normaler Geburtstag. Dieser Geburtstag wuerde anders sein als meine bisherigen. Wieso? Weil ich in Mississippi aufwache – weit weg von Deutschland, wo meine Familie war. Was ich zu dem Zeitpunkt noch nicht wusste, war, dass ich dabei war eine neue Familie zu bekommen.
Ich stehe auf uns gehe in die Kueche, um mir meine Lieblingskornflakes in eine Schuessel zu fuellen und rufe nebenbei Zuhause in Deutschland an. Die Sonne schien, waren schon 20 Grad und ich freue mich darauf, genuesslich in der Sonne zu fruehstuecken. Auf dem Weg zur Kueche trete ich in etwas weiches, warmes…Hundekot! Echt jetzt? Na der Tag faengt ja gut an. Ich saeubere meinen Fuss, trage mein Fruehstueck auf die Veranda und setze mich in die Sonne, am Telefon ist meine Familie aus Deutschland und wuenscht mir alles Gute zum Geburtstag. Mitten im Gespraech stehe ich auf, um etwas Milch aus der Kueche zu holen und als ich zurueckkomme traue ich meinen Augen nicht: Einer unserer Hunde „Bullett“ bedient sich an meinen Kornfllakes. Ich aergere mich und beginne zu weinen. Meine Gastmama Deanna beruhigt mich und sagt nur: ‚You’re going to be fine, Sarah.‘ Das habe ich anders gesehen. So habe ich mir meinen Geburtstag definitiv nicht vorgestellt.
Als ich aus der Schule nach Hause gekommen bin, hat mein Geburtstag dann doch noch eine positive Wendung genommen. Meine Gastmama hat mir eine wunderschoene Geburtstagstorte besorgt und Freune und Familie kamen vorbei, nur um mir einen schoenen Abend zu bescheren. Letztendlich war der Geburtstag zwar anders als in Deutschland, aber wirklich schoen. Meine Gastfamilie hat sich solch Muehe gegeben, dass ich gluecklich bin.

die besten Monate meines Lebens

Tatsaechlich habe ich anfangs nicht geglaubt, dass ich in Amerika gluecklich sein wuerde. Die ersten 4 Wochen waren durch Weinen, Nichtessen und wenig Euphorie gepraegt. Ich wollte zurueck nach Hause.

one double whopper please!

Doch dann kam der Durchbruch. Ich habe realisiert, dass ich das groesste Glueck hatte, welches man haben konnte. So viele Austauschschueler mussten Familien wechseln, weil sie ungluecklich waren, oder sind in einer furchtbaren Gegend gelandet. Das war bei mir ganz anders! Meine Gastfamilie ist  traumhaft. Meine Eltern Bubba und Deanna behandeln mich wie ihr eigenes Kind und integrieren mich vollstaendig. Und meine Grosseltern Jannette und Buddy schenken  mir so vieles: lustige Momente, Liebe und ihr eigenes Schlafzimmer geben sie fuer mich auf, als meine Eltern einen Hausschaden erleiden. Durch meine Gastmama entdecke ich die Fotografie – welche spaeter meine groesste Passion sein wuerde. Bubba ist mir wie ein Vater ans Herz gewachsen und Case ist ploetzlich mein juengerer Bruder, mit dem ich immer mal wieder stenkere.
Wir sind nach fast 6 Wochen auf dem Weg zum EF Austauschschueler – Treffen und halten bei Burger King an. Bubba hatte mittlerweile aufgegeben, mir Essen schmackhaft zu reden und bestellt nur eine kleine Pommes fuer mich. Und dann sage ich: ‚I want a double whopper!’… Bubba dreht sich geschockt um und fragt mich, ob ich sicher bin. Oh ja, ich bin mir sicher! Case und Bubba lachen und das wurde zu einer der Top- stories in den naechsten Monaten.

Es war der Tag, an welchem ich gemerkt habe, dass ich nicht mehr Glueck haette haben koennen. Etwa zwei Monat spaeter habe ich aufgehoert die verbleibenden Kalendertge durchzustreichen. Ich war Zuhause und liebe meine Gastfamilie und die Freunde, die ich gewonnen habe.

Als ich wieder nach Hause flog, war ich tot traurig. Ich habe durchgehend geweint und wollte zurueck nach Saltillo. Es war mir einfach unbegreiflich wie ich jemals wieder in Deutschland, ohne meine amerikanische Familie, gluecklich werden sollte.

8 Jahre spaeter

Mir war seit 2007 klar, dass ich nicht fuer immer in Deutschland bleiben will. Meine Gastfamilie habe ich 2010 das letzte Mal besucht und mittlerweile bin ich verheiratet. Unglaublich. Als ich Marco kennenlernte, habe ich ihm gleich gesagt, dass ich noch einmal ins Ausland moechte und er war damit in Ordnung. Dass dies allerdings innerhalb von zwei Jahren geschehen wuerde, ahnte er noch nicht. Tja, und nun sitzen wir hier in einer Bibliothek in Australien, er lernt Englisch und ich schreibe diesen Artikel.

Wir Deutschen sind meiner Meinung nach viel zu selbstbezogen und sehen alles ziel zu eng. Ich finde auch, dass wir nicht gastfreundlich genug sind und zu wenig teilen. Das ist mir insbesonders nach Amerika aufgefallen. Ich habe in einer religioesen Familie gelebt und sehr viel fuer’s Leben gelernt. Teilen macht gluecklich und wenn wir mehr anbieten, bekommen wir meistens doppelt so viel zurueck. Wenn man das nicht von alleine im Leben in Deutschland lernt, z.B. durch Selbstreflexion (das tun leider die Wenigsten), dann lernt man das definitiv waehrend einer Auslandserfahrung. Marco ist auch „sehr deutsch“ und manchmal denke ich mir: ‚Wieso denkst du so? Weshalb gehst du so oft davon aus, dass andere Menschen absichtlich Schlechtes tun? Nicht jeder Mensch ist so. Nicht jeder Mensch denkt in erster Linie an sein eigenes Wohl.‘ Wie ein grosser Teil der Menschheit (oft verstaendlich), ist auch Marco eine Person, die nett ist, wenn der Gegenueber auch nett ist. Bietet jemand anders etwas an, freut er sich und ist gleichfalls nett. Wenn eine Person jedoch dreist, unhoeflich oder gemein ist, dann gibt er das Gleiche zurueck. Ganz ehrlich: Fast jeder erwischt sich manchmal so zu handeln, oder? Trotzdem ist es nicht richtig.

das Verlangen ein besserer Mensch zu sein

Ich war verbluefft und teilweise so ueberfordert, wie herzlich und hilfsbereit die Menschen in Amerika waren. Das Leben konnte so einfach sein…wenn doch jeder den  Anspruch an sich selbst stellen wuerde ‚ein besserer Mensch zu sein‘. Doch meistens braucht man Vorreiter, also lebendige Beispiele, um diesen Ansporn zu entwickeln. Meine Gastfamilie hat mich zu einem besseren Menschen gemacht und meine Freundin Jeani hat mich auch immer wieder zur Selbstreflexion angespornt. Allerdings finde ich es sehr schwer ‚besser zu werden‘, wenn man in Deutschland lebt. Ich moechte nicht sagen, jeder ist selbstfokussiert (wir kennen Menschen, die einfach nur klasse sind und zuerst an Andere und dann an sich denken), aber die Mehrheit ist es (insbesondere in Staedten). Mir ist aufgefallen, dass man oft ausgenutzt wird, wenn man anbietet und Dankbarkeit auch eher eine Seltenheit ist. Unter diesen Umstaenden ist es schwerer herzlich, freundlich und offen zu sein, als in Kulturen, wo dies Normalitaet ist.

Ich wuensche mir das Gleiche Glueck fuer meinen Mann

Mir war klar, dass ich mir fuer Marco eine aehnliche Erfahrung wuensche, wie ich sie in Amerika hatte. Doch wohin? USA und Australien kamen fuer mich in Frage. Da es einfacher war, in Australien Arbeit zu finden, entschieden wir uns fuer Australien.
Es ist der 4. Mai 2015 und, eher spontan, lernten wir unsere Gastfamilie in Kingaroy kennen. Wir waren so aufgeregt. Einerseits wusste ich was mich erwartet, doch es war dieses Mal vollkommen anders. Ich bin erwachsen, verheiratet und kein Kind mehr. Fuer Marco war die Situation vollstaendig neu und er konnte sich noch gar nicht vorstellen, dass eine Familie vollkommen fremde Menschen bei sich Zuahuse aufnehmen wuerde. Verstaendlich, denn wir Deutschen tun dies viel zu selten, oder gar nicht, da wir paranoid sind oder nicht teilen wollen.

Die naechsten 8 Wochen wurden zu den schoensten Wochen, die wir je hatten. Es gab unglaublich viele Momente, in denen wir realisiert haben, wie einfach und schoen das Leben sein kann, wenn man offen und herzlich ist. Wir haetten niemals gedacht, dass wir so ins Herz geschlossen werden wuerden. Auch haetten wir nie gedacht, dass wir unsere Gastfamilie so lieb haben werden. Ein weiteres Mal habe ich realisiert, dass es hier viel einfacher ist Menschen zu vertrauen und dass ein Familienleben hier ganz andere Priortaet besitzt, als in Deutschland. Es hat hat mich einerseits traurig und andererseis auch gluecklich gemacht. Marco hat zum ersten Mal erlebt, wovon ich zuvor immer wieder geredet hatte. Auch er hat realisiert, dass wir Deutschen (groesstenteils) zu umstaendlich und verschlossen sind.

Gastfamilie frueher und heute

Es ist schon seltsam, wie sich Perspektiven veraendern. Vor 8 Jahren war ich ein Austauschschueler in Amerika und heute habe ich mit meinem Mann eine aehnliche Erfahrung in Australien machen duerfen. Mir wurde bewusst was ich damals falsch gemacht habe gerne anders gemacht haette. Zugleich wurde mir aber auch bewusst, dass ich ’noch ein Kind‘ war. Meine Dankbarkeit fuer das Glueck und die Chancen, die ich und wir bekommen haben, waechst von Tag und zu Tag und es kristallisiert sich nach und nach was wichtig im Leben ist.


 

English version:

looking back at 2006

14th of September, 2006. The alarm rings: 6:40 o’clock and it was my 17th birthday. However, it was not just a normal birthday. This birthday would be different than my present ones. Why? Because I wake up in Mississippi – far away from Germany where my family was. What I did not know at the time yet, was that I was about to get a new family soon – the Knights.
I get up and go to the kitchen to pour my favorite cereals in a bowl and parallel call my family in Germany. The sun shines, it’s already 20 degrees and I am glad to have breakfast while enjoying the morning sun. On the way to the kitchen I step into something soft, warm… Dog poop! Really? The day starts ‚well’… I clean my foot, carry my breakfast to the veranda and sit down in the sun, on the phone my family from Germany wishes me happy birthday. In the middle of the conversation I get up to get some milk from the kitchen and when I come back I do not trust to my eyes: One of our dogs „Bullett“ helps himself with my cereals. I am angry and start to cry. My guest mummy Deanna calms me and says: ‚You’re going to be fine, Sarah.‘ This I have seen differently. Thus I have not fancied my birthday so far..haha.
When I have come home from school, however, my birthday has taken a positive turn. My guest mummy has got a wonderful birthday cake for me, friends and family stopped by, only to give to me a nice evening. After all, the birthday was different than in Germany, but really nice! My guest family tried so hard to make me happy.

the best months of my life

In the beginning, I haven’t thought that I was going to be happy in America. The first 4 weeks were outlined by crying, not eating and oonly little euphoria. I wanted to go back home.

one double whopper, please!

However, then there came the breakthrough. I have realised that I had the biggest luck which one could only have. So many exchange students had to change families because they were unhappy, or have landed in a dreadful area. This was completely different with me! My guest family is dreamlike. My parents Bubba and Deanna treat me like her own child and integrate me completely. And my grandparents Jannette and Buddy give to much me: amusing moments, love and granny gives up her own bedroom, when my parents suffer a huge house damage. Because of my guest mummy I discover photography – which would be my biggest passion later on. Bubba has become dear to me like a father and Case is suddenly my younger brother, with whom I used to discuss all the time haha.
After nearly 6 weeks on the way to the exchange students- meeting, we stop at Burger King. Meanwhile, Bubba had given up talking me into tasty food and orders only one small chips for me. And then I say: ‚I want a double whopper!’… Bubba turns round stunned and asks me whether I am sure. Oh yes, I am sure! Case and Bubba laugh and this became one of the top stories during the next months. I love to remember this day. It was the day on which I have noticed that I could’nt have had any more luck. About two months later I have stopped to cross out the remaining days in the calendar. I was at home and love my guest family and the friends whom I have won meanwhile.

When I flew back home to Germany, I was unbelievably sad. I have cried continuously and wanted to go back to Saltillo. It was simply incomprehensible to me how I should ever become happy again – in Germany without my American family…

8 years later

Since 2007 I knew that I do not want to remain for good in Germany. I have visited my guest family in 2010 the last time and meanwhile I am married. Incredible how fast time passes by. When I got to know Marco, I have immediately told him that I wanted to go abroad for another time and he was alright with my wish. The fact that this would happen, however, within two years, he did not expect. Well, here we are…sitting in a library in Australia, he learns English and I am writing this article.

In my opinion, we Germans are too self-centered and we are too fussy with a lot of things. I also think that we are not hospitable enough don’t share enough. This thought has struck me particulary whilst being in America. I have lived in a religious family and have learnt a lot about life. If we offer more, we mostly get back twice as much. If one does’nt learn this thinking by oneself during life in Germany, e.g, by selfreflection (unfortunately least people do that), then one learns definitively during a foreign experience. Marco is also „very German“ and sometimes I wonder: ‚Why do you think like you do? Why do you so often assume from the fact that other people do intentionally bad things? Not every person is like that. Not every person thinks, primarily, of his own welfare.‘ Like a large part of the humanity (often understandably), Marco is a person, who is nice if the opponent is nice, as well. If somebody else offers something, he is happy to offer sth. himself. However, if a person is outrageous, impolite or mean, he turns out to act the same. To be frank: Almost everybody can catch oneself to act in such way, right? Nevertheless, it is not righ – but maybe part of selfprotection..who knows.

the desire to be a better person

I was amazed and overwhelmed at the same time by the warmth and offering attitude of people in America. Llife could be so easy .. if everyone strived to be ‚a better person‘. However, mostly one needs forerunner..someone inspiring, a living example to develop this wish for oneself. My guest family has made me a better person and my friend Jeani has spurred on me over and over again to participate in selfreflection. Indeed, I find it very hard ‚to become better‘ living in Germany. Once I try to, some one pisses me off and I am so mad I forget how I should behave. Deanna always said: Kill them with kindness. I try to remind me of her saying every time. I don’t mean to consider every German as selffocused -since I do know a handful most lovely people ever, but it is the majority (in particular in towns). To me it simply appears, harldy anyone knows how to show gratitude. Under these circumstances it is a lot harder to be kind, friendly and open, than in cultures where this is normalty.

I wish my husband could experience the same

To me it was clear that I wish a similar experience for Marco as I had in America. However, where should we go? USA and Australia were to be considered. Because it was easier to find work in Australia, we decided to go to Australia.
It is the 4th of May, 2015 and, rather spontaneously, we got to know our guest family in Kingaroy. We were so excited. On the one hand I knew what to expect, however, it was completely different this time. I am grown-up, married and no child no more. For Marco the situation was completely new and he could not imagine at all that a family would pick completely foreign people to share their home with us. Understandably, because most Germans are not doing this at all or rarely, because we are paranoid or do not want to share. Very sad to miss out on such a lifetime experience.

The next 8 weeks became the nicest weeks which we ever had. There were incredibly many moments at which we have realised how simple and nice life can be if one is open-hearted and kind. We would never have thought that we would be enclosed in their hearts so soon. Also we would never have thought that we would love our guest family as much as we do now. Additionally, I have realised that it is much easier here to trust a person and that family life has higher prioity than in Germany. On on hand it has made me sad to realize those things, but on the other hand also happy, since we could enjoy those vulnernable moments. Marco has experienced for the first time from what I had talked before over and over again. Also he has realised that we Germans are (mainly) too complicated and not warm-hearted enough.

Guest family now and then

It is strange how perspectives do change over years. 8 years ago I was an exchange student in America and today I was given a similar experience in Australia along with my husband. I realized what I have done wrong I back then and I wish could change some things. However, at the same time I became conscious of the fact that I was ‚a child‘. My gratitude for the luck and the chances which I had been given grows from day to day and it crystallises what’s most important in life.


 

Deanna, Bubba, Jannette & Buddy

I am so grateful for what you have given to me whilst being in Saltillo. I can’t believe time went by so quickly. You’ve created a huge part of what I am today and I really don’t know how life would look like without you guys – but actually I could’nt and don’t want to imagine it anyways! Thank you for coping with my difficult days. Thank you for waking my nowadays biggest passion – photography. Thank you for the best sausage pie in the world. Thank you for my favorite meal granny’s riblets! Thank you for supporting me in every possible way. Thank you for giving me so much love. Thank you for opening my heart to belief. Thank you for being my family. Thank you for everything you have done and for everything you are. I love you.

Rebecca, Brett & kids

I had one wish, when I decided to go to Australia: Please let Marco experience the same warmth and kindness, I had experienced when I stayed in the States. And he did.
I hoped to meet people, who we would build an honest relationship with. And we did.
I never believed to find a family which would make us feel as a part of their family and where we could return to at anytime. But we did.

Those 8 weeks have been over the top. We didn’t expect to meet such great people. Neither did we expect to learn as much as we did. You reminded me of what’s important and you reminded me of how lucky we are. We enjoyed every minute with you, are grateful for every little thing you did. You grew into our hearts as family or friends? I can’t even tell ;-) We love the kids, every single one is special. I told you, I am not much of a speaker, but I really need to tell you: THANK YOU! You guuuys changed a lot in our minds – positively. Thank you so much.

 


Do you believe that we don’t meet people by accident, that they are meant to cross each others path for a reason?  

„Yes, I do.“


Welche Begegnungen haben Euer Leben geaendert? Schreibt mir eure Geschichte.