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durch Queenslands Outback – Tag 4

16. July – neuer Reifen, neues Glueck…

Nachdem wir am Morgen ausgiebig gefruehstueckt und geduscht haben, machen wir uns auf den Weg zu Julie. Der Reifen ist zum Glueck angekommen und innerhalb von Minuten haben wir nicht nur einen neuen Reifen montiert, sondern sind auch knapp 200$ losgeworden…Hachja.

Julie hat uns waehrenddessen viele Tips gegeben hinsichtlich der Sehenswuerdigkeiten in der Region. Die Stockman’s Show kann sie empfehlen und wir sollen unbedingt zum Starlight Lookout fahren. Am besten zum Sonnenuntergang und dann sollen wir doch einfach gemuetlich dort uebernachten. Das klingt doch nach einem guten Plan. Da uns das Kuehlwasser-Problem keine Ruhe laesst, fragen wir zu wem wir fahren koennten, um es checken zu lassen. Ein Mitsubishi Haendler ist direkt um die Ecke. Dort fahren wir anschliessend hin und zusammenfassend laesst sich sagen: Wir haben zu viel Kuehlwasser im rechten Behaelter und keiner weiss weshalb. Erst einmal sollen wir es beobachten. Na dann…

Am fruehen Abend fahren wir in Richtung Starlight Lookout, bepackt mit einer Flasche Wein und Abendessen. Von Longreach faehrt man etwa 60 km, davon 45 km Gravel Road – schon wieder! Hoffentlich bleiben dieses Mal alle Reifen heil. Marco faehrt unheimlich angespannt und wir hoffen, dass alles gut geht. Aufgrund der Tatsache, dass wir mit gerade einmal max. 60 km/h umhertuckeln, brauchen wir 1 Stunde 15 Minuten zum Lookout. Wir fragen uns zwischendurch sogar, ob sich der weite Weg ins Nichts lohnt.

Dort angekommen, stellen wir sehr sehr schnell fest: Und ob es sich lohnt! Wow, wir sind absolut im Nirgends…die Strasse existiert bei Google und in Atlanten nicht einmal und es ist wunderschoen! Der Huegel ist die einzige Erhebung weit und breit und der Ausblick dementsprechend erstklassig. Hier oben sieht man erst einmal, welch Ausmass die Duerre hat und wie riesig das Outback ist. Egal wohin wir schauen: Wir sehen nichts. Kein Lebenszeichen, keine Siedlungen…rein gar nichts. Wunderbar.

Wir haben einen unglaublichen Abend. Auf dem einzigen „Berg“ (oder wohl eher Huegel) haben wir bei Sonnenuntergang gesessen. Mit einer heissen Suppe, einer Flasche Wein und mit einem Blick zum Himmel mehrten sich von Minute zu Minute die Sterne.

 17. July – Dinner unter Sternen

Wir wachen gegen 7 Uhr auf und genau vor unserer Nase klettern Bergziegen auf den Berg und Kaengurus huepfen durch die Gegend. Wie genial! Ich habe das grosse Verlangen noch etwas liegen zu bleiben und zu beobachten, wohingegen Marco seine Laufschuhe anzieht und davon rennt. Wer kann schon von sich behaupten mitten im Outbback joggen zu gehen, hm? Mir sind 5 Grad zu kalt zum Laufen, aber Marco hat durchhgehalten. Anschliessend kochen wir Fruehstueck und fahren zurueck nach Longreach. Wir haben also wieder etwa 60 km vor uns, davon sind 45 km Schotter- und Sandpiste. Da wir ja vom Vorabend wissen, dass wir definitiv 1 Stunde brauchen werden, denn noch einen Reifenschaden wollen wir nicht riskieren, fahren wir kurz vor um 9 Uhr los. Immer wieder stehen einzelne Kaengurus am Wegrand, huepfen ueber die Strasse oder es stehen ganze Familien in der Duerre und beobachten uns, das Fremdobjekt  im Outback.

Gegen 10 Uhr kommen wir an der Caltex Tankstelle an, duschen und fahren anschliessend zur Stockman’s Hall of Fame herueber. 11 Uhr beginnt die Stockman’s Show und gleich zu Beginn haben Marco und ich einen grossen Lacher.Die Show ist seine 20$ wert. Man lernt im Schnelldurchlauf, welche Rolle Pferde in der Rinderzucht spielen und welche Typen es gibt. Ausserdem lernt man vom Ablauf dieser Arbeit und weshalb Hunde so wichtig auf der Farm sind. Die Stockman’s Show ist ein Mix aus Lachen, Staunen und Lernen. Ich finde es echt faszinierend, wie gut der Stockman und seine Pferde einander verstehen. Fast alles geht ueber Zeichensprache oder Koerperbewegungen.


Etwa 12 Uhr ist die Show beendet und wir beschliessen uns noch einmal in der Local Bakery ein Sandwich zu bestellen, denn es war wirklich gut. Kurz nachdem wir losfahren bemerkt Marco: „Du irgendwie ist die Temperaturanzeige nicht mehr in der Mitte.“ „Wo ist sie denn?“ „Naja zwischen Mitte und Rot.“ „Echt jetzt? Ohje.. dann lass uns vielleicht doch noch mal bei Mitsubishi anhalten und dem Mechaniker zeigen, dass es sich jetzt doch geaendert hat.“ „Ja ist glaube ich besser.“ 1 Minute spaeter: „Okaaay… jetzt ist der Zeiger im roten Bereich! Ich gebe einfach kein Gas mehr.“ „Wie du gibst kein Gas mehr? Wir muessen zu Mitsubishi! Hilft ja nichts. Es sind doch nur noch paar Hundert Meter.“ Wir fiebern und hoffen, dass wir einfach nur ankommen. Wir kommen an. Als wir mit dem Mechaniker sprechen, sagt er uns, dass sich das gar nicht gut anhoert. Es koennten mehrere Sachen sein. Zwischen 1.500 und 3.000$ koennten auf uns zukommen. Marco und mir rutscht das Herz in die Hose. Wir schauen uns an und koennen es nicht fassen, dass wir jetzt solch ein Pech haben sollen. Meine Prozessoren im Kopf laufen auch Hochtouren und ich kalkuliere alles durch. „Ich kann es nicht sagen, bevor das Auto untersucht wird.“ „Okay, koennen Sie es sich anschauen?“ frage ich verzweifelt. „Wir sind bis mindestens Dienstag oder Mittwoch ausgebucht.“ „Wo koennen wir sonst hingehen? Sie kenne sich doch am Besten aus. So koennen wir nicht weiterfahren, richtig?“ „Nein, so koennt ihr auf keinen Fall weiterfahren, der Motor ueberhitzt.“ „Unser Plan war, heute bis Emerald weiter zu fahren. Wir muessen Anfang August in Sydney sein. Wir haben noch fast 2.000 Kilometer vor uns“, sage ich. Er verschwindet in der Garage und waehrenddessen sage ich zu Marco: „Dann bleiben wir bis Mittwoch und Hervey Bay faellt aus, ist egal.“
Was machen wir denn dann? Die 2.000$ waren dann wohl doch kein so gutes Schnaeppchen insgesamt…Wieso muss so etwas jetzt passieren? Mitten im Outback. Zu Not muss ich ersteinmal nach Sydney fliegen. Was ist dann aber mit all unseren Sachen? Investieren wir dann die schlimmstenfalls 3.000$, oder kaufen wir ein neues Auto? Wer sagt, dass beim naechsten Auto nicht etwas aehnliches geschieht? Niemand. Auf unserem Konto haben wir noch genuegend Geld, aber 3.000$ wuerden ein riesiges Loch in unser Erspartes graben. Thailand fuer Ende des Jahres ist geplant und wir koennen jetzt nicht einfach 3.000$ verlieren. Mir ging so unglaublich viel durch den Kopf.
Was machen wir jetzt? Verdammt…
In dem Moment kommt der Mechaniker wieder und sagt, dass er schnell mal unter die Motorhaube gucken will. Er oeffnet das Ventil vom Kuehlwasserbehaelter und Dampf kommt heraus. In einem Behaelter ist zu viel Wasser, der andere grosse Tank ist bis auf den letzten Tropfen entleert. „Gar nicht gut“, sage ich. „Nein, das ist nicht gut“, sagt der Mechaniker und laeuft zurueck in die Garage. „Verdammt wo geht das ganze Wasser hin…“, fluche ich. „Wenn das so viel Geld kostet, koennen wir uns gleich ein neues Auto kaufen“, sagt Marco resigniert. „Nun warte doch erst einmal ab. Davon abgesehen, kann es jeden Tag passieren, dass das Auto aufgibt. Es ist 21 Jahre alt. Wir haben fuer 2.000$ und 2.500 bereits gefahrene Kilometer verdammt viel Glueck gehabt.“ Mit einer Kanne gefuellt mit Wasser kommt der Mechaniker zurueck und fuellt den Wassertank auf. Er laesst den Motor laufen, testet ein paar Sachen und sagt „Wir muessen herausfinden wohin das Wasser verschwindet.“ Er nimmt ein Ventil mit in seine Garage und testet offenbar den Druckausgleich oder so. Wir warten 15 Minuten und dann kommt er wieder. „Das Ventil scheint nicht mehr intakt zu sein. Wir muessen es ersetzen und schauen, ob es daran liegt.“ „Alles klar“, sage ich und wir hoffen, dass es nur das Ventil. Was auch immer das kostet. Nachdem er das Ventil aufgesetzt hat, macht er mit mir eine Testfahrt und sagt: „Ihr habt solch ein Glueck. Unglaublich, dass es nur dieses Ventil ist. Ihr koennt weiterfahren und alles sollte in Ordnung sein!“ Ich kann nicht fassen, dass das Glueck auf unserer Seite steht – wieder einmal. Es haette fast das 200-fache kosten koennen. Das Ventil kostet 15$. Wir geben ihm Trinkgeld und bedanken uns zum vierten Mal.

Wir hatten solch ein Glueck! Genau 2 km nachdem wir Longreach betreten haben, ist der Motor ueberhitzt. Es haette auch frueher passieren koennen…irgendwo auf der Strasse zum Starlight Lookout. Aber das ist es nicht und dafuer sind wir massig dankbar!

Veröffentlicht in Australia

durch Queenslands Outback – Tag 1

13. July – 18. July ..auf geht’s ins Outback

Wir haben fuer diese Woche einen Outback-Trip geplant, welcher uns durch das noerdliche Inland Queensland fuehren wird. Vom Outback fahren wir anschliessend nach Hervey Bay, um eine Waltour zu machen und danach geht’s zurueck zu unserer Gastfamillie nach Kingaroy. Wir wollen noch ein paar Tage mit Ihnen verbringen, bevor es fuer uns nach Sydney geht, um einen neuen Job anzutreten. Insgesamt liegen knapp 3.600km vor uns! Das wird eine lange Fahrt und wir hoffen, dass unser Auto uns weiterhin so verlaesslich den Weg bereitet.

Unsere Route
Ravenshoe – Mt. Surprise – Hughenden  – Longreach  – Emerald – Hervey Bay – Kingaroy – Sydney

Was braucht man fuer einen Trip durch’s Outback?
Wenn man vorhat ins Outback zu fahren, raten einem so ziemlich alle Reisefuehrer und oft auch Einheimische dies nicht allein zu tun. „Bildet Gruppen, fuer den Fall, dass ihr mit dem Auto liegen bleibt.“ Der zweite Tipp ist genuegend Wasser mitzunehmen, denn es gibt nicht ueberall Trinkwasser. Schliesslich befindet ihr euch im Outback, einer Region, welche durch Duerre, Wildvieh und 300km Nichts gekennzeichnet ist. Nunja, als Nichts wuerde ich es nicht bezeichnen, denn man sieht schon ab und an mal ein Auto, Baeume, Kuehe und Kaengurus. Wo ich gerade die groesseren Entfernungen erwaehne: Benzin. Es gibt in einigen Regionen alle 200km eine „Tankstelle“, bestehend aus einer oder zwei Zapfsaeulen, manchmal auch groessere Roadhouses. In manchen Regionen koennen schon einmal 400km und mehr dazwischen liegen. Daher ist wohl der wichtigste Punkt die Planung.
Wir haben uns eine Route gebastelt, bei welcher wir extra Tankreserven eigentlich nicht benoetigen sollten, daher bleiben unsere Kanister leer auf dem Dach liegen. Was genuegend Wasser angeht, beschraenken wir uns auf einen 10L Kanister und unsere 4-6 Wasserflaschen. Nachdem ich WikiCamps und Camp7 studiert habe, stelle ich fest, dass es immer mal irgendwo alle 100km ein WC, oder zumindest eine Haltebucht gibt. Auf unserer Strecke gibt es auch ein paar Roadhouses, wo man ueber Nacht stehen und eine Dusche geniessen kann. Wir durchfahren jeden Tag mindestens einnen Ort, in welchem wir Wasser und Benzin kaufen koennen, daher mache ich mir wenig Sorgen um Reserven. Kostenlos ist eine Dusche im Outback natuerlich nicht, aber dennoch hat fast jedes Roadhouse eine Dusche gegen kleines Geld. Wir werden sicherlich einige Naechte in Haltebuchten naechtigen und haben uns daher auch eine Solardusche dabei, welche wir mit 20L befuellen koennen, wenn es absehbar ist ins „Nichts“ zu fahren. Entgegen der „Gruppenbildung“ fahren wir dennoch alleine, da wir keine Zeit haben Reisende zu suchen und wenig Flexibilitaet besitzen, unsere Route abzuaendern.

13. July am „Mini-Niagara-Wasserfall“ vorbei ins Trockene

Wir beginnen in Ravenshoe und unser erster Stopp sind die Millstream Falls, welche von den Australiern auch sehr gerne als „Mini- Niagara“ bezeichnet werden.

Unser zweiter Stopp ist Mt. Surprise. Auf dem Weg dorthin sind die Strassen geteert, es herrscht maessig viel Verkehr. Bleibt man auf einer dieser Hauptstrassen liegen, wird man sicherlich spaetestens innerhalb einiger Stunden gefunden. Die Landschaft besteht aus groesstenteils ungezaeunten Wiesen mit massig Baeumen und Kuehen. Als gruen wuerde ich die Landschaft nun wirklich nicht bezeichnen, sondern eher als blassgruen bis goldig, da alles ziemlich trocken erscheint.

Ich begreife endlich, wieso immer wieder von anhaltender Duerre im Outback gesprochen wird. Ein Zustand , welcher auch innerhalb der eigentlichen Regensaison von Oktober bis Februar, allmaehlich zur Normalitaet wird und somit eine grosse Gefahr darstellt. Nicht zuletzt wegen Buschfeuer, sondern vielmehr, da es kaum saftiges Gras gibt, die Nahrungsgrundlage fuer Kuehe – einer der wichtigsten Einnahmequellen Australiens. Wir sind mit dem Gedanken nach Mt. Surprise gefahren, „Undara“ anzusehen. Es ist ein riesiger Vulkan Krater, der auf Bildern fantastisch aussieht. Dort angekommen stellen wir fest, dass man eine Tour buchen muss, welche 55$ pro Person kostet. Unglaublich. Das haben wir also ausfallen lassen. Was man auch vor Ort tun kann, ist Edelstein-Suche zu betreiben. Man kann sich fuer 30$ ein Kit ausleihen, um zu buddeln. Die Idee fand ich gut, bis ich gesehen habe, dass es 3 Buddelkaesten sind. 30$ ist angemessen, jedoch nicht fuer einen Sandkasten meiner Meinung nach. Fuer Kinder ist das jedoch sicherlich ein grosser Spass. Wir wandern also durch den Shop und stellen fest, dass man all die Edelsteine (Amethyst, Saphir, Rosenquarz etc.) sehr guenstig kaufen kann. Nunja, wir fahren zur Picnic Area unweit des Kraters und kochen unser Mitttag im Nichts. Diese Ruhe ist fantastisch.


Knapp 500 km liegen vor uns, um nach Hughenden zu gelangen. Ein Grossteil der Strassen ist wieder geteert (laaangweilig!) und wir fragen uns: Wann kommt die rote Piste? Wo bleibt der Spass? Wir warten ab!

Etwa 18 Uhr mittlerweile 40 km zurueckgelegter Sandstrasse, haben wir eine riesige Flaeche am Strassenrand gefunden und beschliessen hier zu schlafen. Keine Menschenseele. Und der Himmel! Ich versuche etwa 20 Minuten lang das perfekte Sternfoto zu schiessen, aber mangels grosses Stativ und aufgrund der eisigen Kaelte (es werden hier im Outback schon mal 1 Grad bei Nacht), gebe ich es dann auf.

durch’s Outback: Tag 2